Wenn in wenigen Wochen das Kernkraftwerk in Gundremmingen endgültig vom Netz geht, rückt das Thema Versorgungssicherheit und -qualität noch stärker in den Fokus.

„Unsere Region ist als starker Industrie- und Produktionsstandort auf eine verlässliche Stromversorgung angewiesen“, sagt Markus Maier, Präsident der IHK Ostwürttemberg. „Der Ausbau der erneuerbaren Energien schreitet zwar erfreulicherweise voran, doch noch immer viel zu langsam, um den Wegfall dieser grundlastfähigen Kapazitäten zu kompensieren“, sagt der Präsident.

„Voraussetzung dafür sind leistungsfähige Netze. Allerdings lässt auch der Ausbau der Nord-Süd-Trassen auf sich warten, wie man beim Bauvorhaben für die Stromtrasse Südlink beobachten kann“, bemerkt Maier. Die aktuellen Bauvorhaben dazu werden frühestens im Jahr 2026 abgeschlossen sein, viele davon befinden sich derzeit noch im Planungsverfahren.“

Schwankungen und Ausfälle

Angesichts dieser Situation fordert die IHK Ostwürttemberg im Schulterschluss mit drei weiteren Kammern aus Süddeutschland – den Industrie- und Handelskammern Bodensee-Oberschwaben, Schwaben und Ulm – ein Umdenken beim Ausbau der Versorgungskapazitäten und der Netze. „Die Wirtschaft benötigt einen verlässlichen Fahrplan und die Sicherheit, dass die Stromversorgung auch weiterhin auf hohem Niveau gewährleistet wird“, sagt Thilo Rentschler, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwürttemberg. Durch die zunehmende Digitalisierung der Produktion und die Vernetzung von Fertigungsprozessen könnten schon kleine Spannungsschwankungen oder Stromausfälle Produktions- oder Lieferausfälle nach sich ziehen. „Drohende Ausfälle solcher Art können große Schäden an Sachanlagen verursachen und sind daher unbedingt zu vermeiden“, betont Rentschler.

Unnötige Bürokratie

Wichtig sei es daher, so schnell wie möglich bürokratische Hürden abzubauen. „Der Netzausbau darf nicht zum Nadelöhr der Energiewende werden und zu einem Bremsklotz für den Ausbau der erneuerbaren Energien“, sagt Thilo Rentschler.

Die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren hat aus Sicht der vier IHKs höchste Priorität. So müssen z. B. Verfahren verkürzt, Doppelprüfungen vermieden und die Beteiligung der Öffentlichkeit vereinfacht werden. Gleiches gilt für die Regeln auf dem Strommarkt. „Die Komplexität bewirkt, dass wertvolle Potenziale wie Eigenstromanlagen oder die Nutzung von Stromspeichern nur unzureichend vorangebracht werden können“, sagt Rentschler. Auch hier müssten die Betreiber von unnötigen Pflichten entbunden werden.

Wettbewerbsfähigkeit gefährdet

Weil parallel zum Ausstieg aus der Kern- und Kohleenergie der Strombedarf immer weiter steigt, dürfte sich die Situation in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Die Politik muss daher schnell handeln, betont IHK-Präsident Maier. Der höhere Strombedarf wird die Preise künftig weiter ansteigen lassen, wenn nicht neue Erzeugungskapazitäten ans Netz gehen.

„Besonders für energieintensive Unternehmen, wie wir sie auch in unserer Region haben, wird die Bezahlbarkeit zu einem ernsthaften Problem. Die Wettbewerbsfähigkeit dieser Betriebe steht somit stark unter Druck“, so der IHK-Präsident.