Der IHK-Fachkräftemonitor unterstützt Unternehmen bei der Analyse von Fachkräfteangebot und -nachfrage. Die aktuelle Auswertung für die Region Ostwürttemberg zeigt: Wie auch auf Landesebene führt der Einfluss der Corona-Pandemie bei der Fachkräftenachfrage zwischen 2020 und 2022 zu einem spürbaren Rückgang. Dem baden-württembergischen Trend folgend ist auch in der Region im laufenden Jahr rein rechnerisch ein Überangebot an Fachkräften festzustellen.

Aktuell Überschuss

Im Jahr 2021 steht in Ostwürttemberg dem Angebotspotenzial in Höhe von 157 000 Fachkräften eine Nachfrage in Höhe von 153 000 gegenüber. „Dies führt zu einem Überschuss von 4000 Fachkräften. Setzt man diesen ins Verhältnis zur absoluten Nachfrage, ergibt sich ein relativer Überschuss in Höhe von 2,6 Prozent. Aktuell ist die Fachkräftenachfrage also noch durch die Folgen der Pandemie gedämpft“, so Katrin Mager, Referentin Standort bei der IHK Ostwürttemberg.

Engpässe absehbar

Die Entwicklung hin zu einem Engpass an Fachkräften wird sich bis zum Jahr 2035 jedoch wieder deutlich verschärfen. So wird für das Jahr 2035 ein absoluter Engpass in Höhe von 33 000 Fachkräften prognostiziert (relativ 22,4 Prozent). Diese Entwicklung wird die Unternehmen in der Region finanziell belasten, denn das Anwerben und Qualifizieren von Fachkräften benötigt Zeit und erfordert hohe Investitionen. Haupttreiber für die Verschärfung des Engpasses ist der vergleichsweise starke Rückgang des Angebotspotenzials, verursacht durch den demografischen Wandel: 2035 wird mit einem Angebotspotenzial in Höhe von 114 000 Fachkräften gerechnet.

Demgegenüber bleibt die Nachfrage nach Fachkräften in der Region relativ konstant. „Um die gegenläufige Entwicklung von Angebot und Nachfrage im Zeitraum von 2021 bis 2035 deutlicher zu machen: Während das Angebotspotenzial um etwa 27 Prozent sinkt, sinkt die Nachfrage nach Fachkräften nur um etwa vier Prozent“, so Mager weiter.

Knappheit durch Demografie

Längerfristig werden Fachkräfte folglich allein durch die demografische Entwicklung knapp, und das gerade dort, wo Unternehmen sie besonders brauchen. Denn trotz der aktuellen Situation auf dem Arbeitsmarkt gibt es bereits heute Engpassberufe in Baden-Württemberg. Betrachtet man aktuell die Top-10-Engpassberufsgruppen, so wird deutlich, dass Berufsgruppen mit medizinischem Fokus und technischem Profil in Ostwürttemberg etwa die Hälfte dieser Engpassberufe ausmachen. Der Trend hin zu einer vermehrten Nachfrage nach Fachkräften in dienstleistungsorientierten Berufen wird insbesondere bei der Betrachtung des Rankings für 2035 deutlich.

Technische Berufsgruppen, etwa aus dem produzierenden oder verarbeitenden Gewerbe sind 2035 tendenziell nur noch am unteren Ende des Rankings zu finden. Mager: „Ein Haupttreiber dieser Entwicklung ist mit Sicherheit die Automatisierung von Arbeitsschritten und die Digitalisierung der Arbeitswelt.“

Forschung und Entwicklung

Demgegenüber stehen Berufe in der technischen Forschung und Entwicklung, die nach wie vor stark in der Region nachgefragt werden. Auffallend ist zudem das Aufrücken von dienstleistungsorientierten Berufsgruppen mit erzieherischem und medizinischem Hintergrund in die obere Hälfte der Rangfolge. Bis 2035 wird sich der Engpass in dienstleistungsorientierten Berufsgruppen voraussichtlich weiter verschärfen. IHK

Engpässe möglichst früh erkennen


Der IHK-Fachkräftemonitor ist ein Instrument, um regionale Fachkräfteengpässe und -entwicklungen frühzeitig zu erkennen und Entscheidungen rechtzeitig darauf auszurichten. Die Internetanwendung ist unter www.fk-monitoring.de/ frei zugänglich.