Die Handwerksbetriebe zwischen Ostalb und Bodensee wollen weiter ihren Beitrag für die Ausbildung junger Menschen leisten. Während andere Branchen krisenbedingt ihr Ausbildungsengagement in Teilen zurückfahren, stellen immer mehr Handwerksbetriebe Ausbildungsplätze zur Verfügung.

„Das Zurückfahren der anderen ist unsere Chance. Wenn andere Bereiche ihr Ausbildungsengagement zurückfahren, so liegt darin eine große Chance für die Betriebe, die suchen, den richtigen oder den noch besseren Azubi zu finden“, so Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm.

530 Ausbildungsplätze offen

Derzeit sind im Kammergebiet Ulm von der Ostalb bis zum Bodensee noch 530 Ausbildungsplätze offen. Das Handwerk in der Region will seine Chance auf geeignete Bewerberinnen und Bewerber nutzen und die freien Lehrstellen von der Ostalb bis zum Bodensee besetzen. Denn der Bedarf an Fachkräften ist hoch. Gleichzeitig haben Handwerksbetriebe in den zurückliegenden Monaten gezeigt, dass sie krisensichere Arbeitsplätze bieten können. Die meisten Gewerke konnten während der Coronapandemie weitgehend durcharbeiten. „Im Handwerk gibt es keine Krise mehr: wir brauchen gute Fachkräfte für unser wachsendes Geschäft“, so Mehlich.

Angebote werden immer besser

Die Angebote für Jugendliche werden dabei immer besser. In diesem Jahr hat sich die Zahl der Betriebe, die erstmalig einen Ausbildungsplatz anbieten deutlich erhöht. Stand Ende Mai 2021 gibt es im gesamten Kammergebiet von der Ostalb bis zum Bodensee insgesamt 90 neue Ausbildungsbetriebe.

Zum Vergleich: Im Mai 2020 sind es 58 erstausbildende Betriebe gewesen. Auch in den Jahren davor lag die Zahl zu diesem Zeitpunkt durchschnittlich auf dem Niveau von 2020. Diese Betriebe verteilen sich auf nahezu alle Gewerke. Die deutliche Zunahme bei den erstausbildenden Betrieben spiegelt die positiven Aussichten für junge Menschen im regionalen Handwerk wider.

Eine Chance für Jugendliche

„Wir können in jeder unserer Landkreise noch nahezu jeden Beruf anbieten. Gerade Abiturienten und Gymnasiasten wissen in diesen Tagen überhaupt nicht, was sie tun sollen. Bei uns gibt es einen sinnvollen Start in die eigene Berufsbiografie.“, sagte Mehlich. Jede Ausbildungsstelle bietet Jugendlichen die Chance auf persönliche Entwicklung und den Einstieg in einen erfolgreichen Berufsweg. Die regionalen Handwerksbetriebe investieren in die zukünftigen Fachkräfte. Denn es sind die qualifizierten Fachkräfte, die die kommenden Kundenaufträge abarbeiten. 

Heidenheim

Herausforderung bleibt die Berufsorientierung der Jugendlichen. Angesichts geschlossener Schulen, fehlender Ausbildungsmessen und eingeschränkter Praktikumsmöglichkeiten fällt dem Handwerk der Kontakt zu den Jugendlichen schwer. Das laufende Ausbildungsjahr gestaltet sich deshalb deutlich schwieriger als das letzte Krisenjahr. Dadurch kann ein großer Schaden entstehen – nicht nur für Betriebe, die keinen Azubi finden, sondern vielmehr auch für die Jugendlichen, die durch Corona und den damit einhergehenden Einschränkungen den Einstieg in ihr Berufsleben zu verpassen drohen.

Um den potenziellen Nachwuchs, die Handwerksbetriebe, aber auch Eltern, Lehrerinnen und Lehrer noch besser zu unterstützen, hat die Handwerkskammer Ulm als Teil des baden-württembergischen Handwerkstags die Webseminar- und Veranstaltungsreihe „Stunde des Handwerks“ gestartet. Offene Fragen rund um eine handwerkliche Ausbildung können so geklärt werden.

Überall im Kammergebiet gibt es noch freie Stellen


Die Verteilung der freien Lehrstellen auf die Landkreise im Kammergebiet sind sehr unterschiedlich. Während es in Ravensburg noch 178 freie Stellen gibt sind es im Ostalbkreis 93 und im Landkreis Biberach 80.

Im Alb-Donau-Kreis sind noch 68 Ausbildungsstellen frei, im Stadtkreis Ulm noch 50. Schlusslichter sind der Bodenseekreis (44) und der Landkreis Heidenheim (17).