Mit dem andauernden Boom bei den Erneuerbaren Energien stehen der EnBW ODR ein massiver Ausbau ihrer Netze und somit hohe Investitionen in den nächsten Jahren bevor. Das prognostizierten die Vorstände Frank Reitmajer und Sebastian Maier dieser Tage bei der virtuellen Hauptversammlung der ODR im Firmensitz in Ellwangen, zu der Aufsichtsratsvorsitzender Steffen Ringwald die zugeschalteten Aktionäre begrüßte. Allein 2020 hat ODR nach Unternehmensangaben etwa 30 Millionen Euro in ihre Strom- und Gasnetze investiert. Unter anderem wurden sechs Umspann- und Schaltwerke erneuert, 150 Kilometer Leitungen verlegt, 63 Kilometer Freileitungen rückgebaut sowie 45 Kilometer Gasleitungen verlegt und zwei Gasdruckregelanlagen errichtet. Trotz der Pandemie liefen die Bau- und Betriebsarbeiten fast lückenlos weiter.

Sicherung der Konzessionen von großer Bedeutung

Große Bedeutung komme der Sicherung der Konzessionen zu, denn sie seien laut Maier die Lizenz zum Bau und Betrieb von Gas- und Stromnetzen.

Rund vier Millionen Euro flossen in den Breitbandausbau und etwa sechs Millionen Euro in den Neubau des Bürogebäudes für die Schwestergesellschaft NetCom BW auf dem ODR-Gelände – insgesamt knapp zehn Millionen Euro im Bereich Kommunikations-Infrastruktur, hob Frank Reitmajer hervor. Als Partner der Kommunen sei die ODR im Dienstleistungssektor Breitband demnach sehr präsent. Auch die Elektromobilität nehme weiter Fahrt auf. Laut Unternehmensangaben  hat die ODR im öffentlichen Bereich rund 140 Ladepunkte. „Im Industrie- und Gewerbekundensegment sind wir als 360-Grad-Anbieter bekannt“, blickte Sebastian Maier zurück.

Fast 32 000 Erzeugungsanlagen

Bei den erneuerbaren Energien ist ein deutliches Plus zu verzeichnen: Derzeit speisen fast 32 000 Erzeugungsanlagen Strom ins ODR-Versorgungsnetz ein. Im Jahr 2020 wurden mit einer Steigerung von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr fast 2000 neue Anlagen, die durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) gefördert werden, angeschlossen. Ein vergleichbarer Trend sei laut ODR bei den Batteriespeichern zu erkennen. Rund 2200 neue Speicher gingen ans Netz. „Über 71 Prozent der im Netz abgesetzten Energie ist bilanziell gesehen grüner Strom. Damit haben wir das Ausbauziel der Bundesregierung für 2035 von 65 Prozent deutlich übertroffen“, sagte Sebastian Maier.

CO2-neutral bis 2023

Frank Reitmajer berichtete mit Blick auf den Energievertrieb von einem herausfordernden Jahr 2020. Die Industriekunden schätzten zunehmend die Dienstleistungsprodukte in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Schwierig, aber erfolgreich sei das Strom- und Gasgeschäft im Privatkundensegment gewesen.

Die im Jahr 2020 bei der ODR ausgearbeitete Nachhaltigkeitsstrategie beinhalte das Ziel, bis 2023 als Unternehmen CO2-neutral zu sein, schreibt der Energieversorger. In einer Gesamtstrategie soll das Umweltmanagement des Unternehmens mit konkreten Zielen und Maßnahme- und Umsetzungsplänen hinterlegt werden. Aktuell lässt die ODR ihr Engagement im Klima- und Umweltschutz nach den Kriterien des europäischen Umweltmanagementsystems EMAS bewerten. Diese Umwelterklärung nimmt die ODR in die Pflicht.

Digitaloffensive in vielen Bereichen

Der Fokus bei der Gasstrategie im Hinblick künftiger Erschließungen liege auf der Nachverdichtung und dem Ausbau in Bestandsgebieten, teilt das Unternehmen mit. Mit einer Digitalisierungsoffensive im Bau, im Betrieb, beim Einkauf sowie im Finanz- und Personalbereich würden die wesentlichen Bausteine für die Zukunft der ODR gelegt. Hier würden über die Jahre hinweg rund zehn Millionen Euro in neue IT-Infrastruktur fließen.

Ausgliederung in Netze NGO

Ein großer Schritt sei der Umbau der Tochtergesellschaft Netze NGO von einem Netzbetreiber zu einer großen Netzgesellschaft, schreibt ODR. Bedingt durch die gravierenden regulatorischen und finanziellen Nachteile eines schlanken Netzbetreibermodells habe sich das Management dazu entschieden, den Geschäftsbereich Netzwirtschaft aus der ODR in die Netze NGO auszugliedern. Damit wechseln rund 270 aktive Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 35 Auszubildende von der ODR zur Netze NGO. Diese Neuausrichtung geschieht zum 1. Oktober 2021.

Großes Lob erntete die Spendenaktion „Sehen und helfen“ des Betriebsrats, die seit es seit 18 Jahren gibt. Im Berichtsjahr beteiligten sich 351 Kolleginnen und Kollegen, darunter auch Pensionäre, spendeten Geld oder Überstunden in Höhe von etwa 37 000 Euro, womit 32 soziale Einrichtungen unterstützt werden. Mehr als 410 000 Euro sind so schon zusammengekommen.

Wichtige Zahlen zum Jahr 2020


Im vergangenen Geschäftsjahr verbuchte ODR einen Umsatz in Höhe von 458,8 Millionen Euro und steigerte diesen um 34,4 Millionen Euro zum Vorjahr (424,4 Millionen Euro). Die Bilanzsumme betrug in 2020 417,9 Millioneneuro (2019: 387,5). Das Eigenkapital des Unternehmens blieb unverändert und liegt bei 115,4 Millionen Euro.

Die Länge des Stromnetzes betrug 2020 12 902 Kilometer (2019:)12 883 Kilometer), das Erdgasnetz war 2219 Kilometer lang (2019: 2145). 2020 tätigte ODR Investitionen in Höhe von Investitionen 57,4 Millionen Euro (37,6). Die Zahl der Mitarbeiter stieg im vergangenen Jahr um 24 auf 490.