Die Temperatur auf unserem Planeten steigt weiter an – mit Auswirkungen, die auch uns in Deutschland immer mehr zu schaffen machen, denken wir nur an die Folgen der jüngsten Starkregen oder die Hitzeperioden der vergangenen Sommer“, erklärt Sebastian Maier, Vorstand der EnBW ODR. Mit Matthias Steiner, Geschäftsführer der ODR-­Netztochter NGO (Netzgesellschaft Ostwürttemberg DonauRies GmbH), nimmt er Stellung zum Stand der Energiewende und den anstehenden Herausforderungen in seinem Versorgungsgebiet.

„Es geht hierbei schließlich um unsere ureigenste Lebensqualität. Dafür ist die Energiewende dringlicher denn je.“ Denn auch das gefühlt zu nasse und kalte Jahr 2021 wird es unter die TOP 10 der wärmsten Jahre seit der Temperaturaufzeichnung schaffen.

Aktuell steht es auf Platz 7. Der sich exponentiell entwickelnde Temperaturanstieg sei für die ODR Grund genug, bei den Maßnahmen für den Klimaschutz einen weiteren Zacken zuzulegen. Schlüssel dazu ist unter anderem der Ausbau und die Digitalisierung des Stromnetzes. Hier wird die ODR allein in diesem und nächstem Jahr Investitionen von mehr als 35 Millionen Euro tätigen.

Auch in den Folgejahren sind bereits höhere Summen eingeplant. Denn Dreh- und Angelpunkt für das Gelingen der Energiewende sei eine hochleistungsfähige Infrastruktur, die auch die Sektoren Wärme und Verkehr einbezieht. „Beide sind wesentliche Bausteine, um das Naturangebot an Sonne und Wind optimal nutzen und den Ausstoß an klimaschädlichem CO2 auf das erforderliche Maß senken zu können“, resümiert Sebastian Maier.

Über 32 000 Anlagen

In Deutschland stammten im vergangenen Jahr erstmals mehr als die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Quellen, im Netzgebiet der ODR waren es bereits 71 Prozent. Aktuell sind im ODR-Gebiet über 32 000 Strom erzeugende Anlagen mit einer installierten Leistung von rund 976 Megawatt an das Verteilnetz angeschlossen. „Wir gehen von zusätzlich 16 000 Anlagen in den nächsten zehn Jahren aus, was auch eine Verdopplung unserer Ausbauaktivitäten mit sich bringt“, sagt Matthias Steiner. „Wenn die Abnahme in unserem eigenen Netzgebiet schwach ist, exportieren wir heute schon über 380 Megawatt in die vorgelagerten Netze; also ein gutes Drittel der installierten Erzeugungskapazität. Daran sieht man, wie weit in unserem Versorgungsnetz die Energiewende bereits vorangeschritten ist“, resümiert Matthias Steiner.

Die Versorgungsqualität bei der ODR ist dennoch nach wie vor überdurchschnittlich hoch. Grund hierfür sind vor allem die Investitionen ins Netz und die eigene, rund um die Uhr besetzte Querverbundleitstelle. Auch eine Monteurbereitschaft ist 24 Stunden an 7 Tagen der Woche verfügbar.

E-Mobilität wächst

Die ODR schafft die Infrastruktur für den Ausbau der Elektromobilität und geht hier selbst mit gutem Beispiel voran. Sie hat bereits 141 öffentliche Ladepunkte in Betrieb genommen, 19 weitere sind in Planung. Zudem baut sie bei Geschäftskunden Stromtankstellen auf. Der eigene PKW-Fuhrpark soll bis 2030 komplett auf Elektroantrieb umgestellt sein.

Während der Strom- und Verkehrssektor zunehmend grüner werden, ist der Wärmesektor noch weitestgehend von fossilen Energieträgern abhängig. Der Anteil an erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch dieses Sektors betrug 2020 gerade mal 15 Prozent. Wie beim Verkehr will die Bundesregierung durch Förderanreize auch bei der Wärme Hausbesitzer zum Umstieg auf umweltschonendere und effizientere Heizsysteme motivieren, darunter Solarthermieanlagen oder elektrisch betriebene Wärmepumpen. Denn nur durch die Vernetzung der Sektoren Strom, Verkehr und Wärme können die ambitionierten Ziele der Bundesregierung erreicht werden.

Will der Bund seine Ziele erreichen, indem er auch bei Verkehr und Wärmeversorgung künftig auf Strom statt auf fossile Energieträger setzt, erhöht sich der Strombedarf Deutschlands. Im Jahr 2020 lag der Bruttostromverbrauch bei rund 545 Terawattstunden. Verschiedenen Prognosen zufolge wird er bis 2030 auf 650 Terawattstunden bis 780 Terawattstunden ansteigen. „Die Investitionen in das Stromnetz werden sich in den nächsten 10 Jahren verdoppeln müssen, um die Energiewende hinzubekommen“, betont Maier.

Bau neuer Leitungen geschieht nur langsam


Der Bau neuer Hoch- und Höchstspannungsleitungen kommt nur langsam voran. Neben langsamen Genehmigungsverfahren ist die gesellschaftliche Akzeptanz ein Hemmnis. Neue Stromtrassen bedeuten oft Eingriffe in Siedlungsstrukturen und Landschaft. Deshalb sollen beim Bau vorrangig Erdkabel eingesetzt werden. Diese haben eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung, sind aber auch teurer bei Installation und Wartung.