Die Welt wird sich nicht mehr zurückdrehen in die Zeit vor der Pandemie. Vielmehr eröffnen sich in Sachen Digitalisierung nun für Unternehmen neue Perspektiven. Dies waren Kernaussagen des Digitaltags 2021 „Future of work“, veranstaltet vom Digitalisierungszentrum der IHK Ostwürttemberg und der Landkreise Heidenheim und Ostalbkreis.

Der Digitaltag 2021 war Teil einer bundesweiten Aktion, die die digitale Teilhabe in der Gesellschaft fördern soll. Referenten in Ostwürttemberg waren Sarah und Timo Lenz von der Veroo GmbH in Bopfingen, Dr. Andreas Hollstein von der Deutschen Arbeitsschutz GmbH in Hamburg, Michael Belko von der digital for future GmbH in Schwäbisch Gmünd und Matthias Reith von der Microsoft Deutschland GmbH in München. Die Veranstaltung moderierte Peter Schmidt, Leiter Innovation/Technologie und Manager digiZ Ostwürttemberg. Er war sich mit Sarah und Timo Lenz einig, dass die Pandemie zu einem großen digitalen Sprung nach vorne geführt hat. Nun müssten es die Unternehmen hinbekommen, dass die Zusammenarbeit der Mitarbeiter vor Ort und im Homeoffice funktioniert.

Humanitäre Aspekte

Sarah und Timo Lenz stellten dazu das System Microsoft Viva für die hybride Zusammenarbeit vor. Dazu brauche es zum Beispiel einen Meeting Room, in dem die Mitarbeiter wirklich zusammenarbeiten können und nicht nur zuhören. Timo Lenz: „Das muss so funktionieren, wie wenn man beieinandersitzen würde.“ Um diesen Effekt zu erreichen, brauche es beispielsweise intelligente Kameras und Lautsprecher, damit man sich richtig versteht, unabhängig davon, ob die jeweilige Person im Raum sitzt oder nicht.

Büroräume neu denken

Man müsse also die Büroräume neu denken, sagte Lenz, man müsse aber auch alle Abläufe digitalisieren, damit die Mitarbeiter von jedem Ort aus an Meetings teilnehmen können. Analoge Prozesse und Papier im Büro seien Vergangenheit, denn man könne einen digitalen Posteingang schaffen, sodass alle Zugriff auf die Post haben, ohne ins Büro kommen zu müssen.

Mensch im Fokus

Auch rücke der Mensch wieder mehr in den Fokus, unterstrichen Sarah und Timo Lenz. Die Leute sollten sich wohlfühlen. Im Homeoffice müsse man Vereinsamung und Burnout verhindern. Das geschehe beispielsweise durch regelmäßige automatische Erinnerungen an fällige Pausen oder an den Feierabend. Und nicht zuletzt brauche es auch in der virtuellen Welt den „Flurfunk“, der sicherstellt, dass Mitarbeiter Informationen aus dem Unternehmen mitbekommen.

Der moderne Arbeitsplatz

Millionen von ihnen mussten mit dem Ausbruch der Pandemie ganz oder teilweise ins Homeoffice, ohne darauf vorbereitet zu sein, blendete Dr. Andreas Hollstein zurück. Denn in Deutschland sei die Digitalisierung damals weit weniger vorangeschritten gewesen als in vielen anderen Ländern. Man habe also improvisieren müssen und so seien teilweise sogar Schlafzimmer zum Homeoffice geworden. Sozialkontakte hätten gefehlt, es habe keine eingespielten Rituale gegeben. Dennoch, ist er überzeugt, geht die Entwicklung hin zu hybriden Arbeitsplätzen, Büroflächen werden wegfallen. Was aber nach wie vor gelte, seien die Gebote der sozialen Sicherheit, Mitbestimmung und Arbeitsschutzgesetze. Durchaus auch im Sinne der Arbeitgeber, denn unfallbedingte Ausfälle von Mitarbeitern seien sehr kostenintensiv.

Neue Perspektiven

Dies alles gehe aber nicht, indem der Sicherheitsingenieur in die Privatsphäre eindringe. Die Digitalisierung helfe auch hier weiter. Mitarbeiter könnten so geschult und ihre Lernfortschritte digital abgefragt werden. Sie seien auch eigenverantwortlich und ihre Zufriedenheit steige. Für die Unternehmen, ist Hollstein überzeugt, ergeben sich neue Perspektiven. Dank der digitalen Arbeitsplatzsicherheit könnten sie die besten Köpfe an beliebigen Orten der Welt gewinnen. Es fehle jedoch noch an der Bereitschaft und Offenheit, diese Prozesse zu betrachten. Dabei sei eines sicher: Die Welt werde sich nicht mehr zurückdrehen.

Alle Menschen tragen Verantwortung für den Planeten und die kommenden Generationen, war die These von Michael Belko. Er betonte, Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Green Deal seien ohne Digitalisierung nicht möglich. Hier gebe es Handlungsbedarf in den Unternehmen. Belko warnte davor, Nachhaltigkeit und Klimaschutz gleichzusetzen. Letzterer sei nur eines von 17 Zielen, die die Vereinten Nationen für Green Deal und Klimaneutralität ausgegeben hätten.

Strategie definieren

Um Schritt für Schritt zu einem nachhaltigen Unternehmen zu werden, braucht es Belko zufolge eine langfristige Ausrichtung unternehmerischen Handelns und eine andere Perspektive. Dies beginne damit, die Aktivitäten und Daten zu analysieren, dann die Strategie zu definieren und bei Bedarf anzupassen und schließlich seine Strategie zu überprüfen und zu optimieren. Belko sprach von einer digitalen Beschleunigung entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Einkauf über Prozesssteuerung und Absatzplanung bis hin zu Recycling und Upcycling. Gelängen Einsparungen, indem zum Beispiel weniger durch die Welt „gedüst“ werde, gebe es dafür auch ein Budget.

Am Beispiel des Unternehmens Microsoft


Beim Digitaltag ging es beispielhaft ganz konkret um das 1975 als Start-up gegründete Unternehmen Microsoft, dessen Produkte in den Referaten immer wieder angesprochen und vorgestellt wurden. Die Vision sei gewesen: ein Computer auf jedem Schreibtisch.