Sölden / Von Manuela Harant Der Bayer dominierte mit Marcel Hirscher die Slalom-Szene. In der am Samstag startenden Saison sollen neue Gesichter die Lücke füllen. Von Manuela Harant

Man könnte meinen, es wäre alles wie immer: Die neue Skisaison wird am kommenden Wochenende traditionell mit dem Riesenslalom in Sölden eröffnet – und alles dreht sich um den Österreicher Marcel Hirscher und den Deutschen Felix Neureuther. Allerdings geht es erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt nicht um die Frage, welches der beiden Technik-Asse sich die Weltcup-Krone aufsetzt. Schließlich haben sich beide im Sommer vom Rennsport verabschiedet. Dennoch dominieren sie und nicht ihre Nachfolger die Schlagzeilen.

Dabei hat sich das ARD-Fernsehen Neureuther für die neue Saison gleich als Experte hinter dem Mikrofon gesichert, Hirscher widmet sich dagegen erst einmal ganz seiner neu gegründeten Familie. Während die Lücke, die der Österreicher hinterlässt, vom traditionell starken ÖSV-Team sicherlich schnell aufgefüllt wird, droht in Deutschland nun trotz des prominenten Co-Kommentators eine gewaltige Aufmerksamkeitsdelle. Die Fahrer aus der bisherigen zweiten Reihe wie Fritz Dopfer oder Stefan Luitz haben bislang nie mehr als einzelne Ausrufezeichen setzen können.

Da verwundert es nicht, dass der Alpinchef des Deutschen Ski-Verbands, Wolfgang Maier, vor Wochenfrist noch keinen Namen nennen wollte, als es um mögliche Nachfolger Neureuthers auf dem Slalom-Thron ging. „Die jungen Leute schließen die Lücke“ und „Die Neuen haben Potenzial“, lauteten die passenden Allgemeinplätze dazu. Das deutet darauf hin, dass Techniker auf dem Podium in der Saison 2019/2020 wohl Mangelware sein werden, am ehesten ist den DSV-Athleten noch ein Coup im Teamwettbewerb zuzutrauen.

Einen ersten Hinweis darauf soll der Söldener Riesentorlauf geben, mehr auch nicht. „Sölden ist immer ein Orientierungsrennen. Da sehen wir: Was haben wir über den Sommer geleistet, wo stehen wir?“, erklärt Maier. „Danach geht die Saison noch einmal richtig los.“

Rebensburg als Zugpferd

Denn eine Besonderheit ist es seit Jahren, dass der Skizirkus nach dem Gletscher-Spektakel in Österreich vier Wochen Pause macht, bevor es im Kampf um die Weltcup-Kugeln weiter geht, diesmal am 23. und 24. November mit dem Slalom in Levi.

Die Speed-Disziplinen, in denen die deutschen Herren aufgrund der jüngsten Erfolge von Kitzbühel-Sieger Josef Ferstl und der Rückkehr des zweifachen Weltcup-Gewinners Thomas Dreßen nach Verletzungspause stärker eingeschätzt werden, starten noch eine Woche später im kanadischen Lake Louise in den Winter 2019/2020. „Der Felix hat in einer Zeit angefangen, als es nach Wasmeier und Co. nicht viel gab. Da ist er als Speerspitze vorausgegangen und hat für uns die Kohlen aus dem Feuer geholt“, erinnert sich Ferstl, der hofft, mit kommenden Erfolgen dem Technik-Team nun seinerseits den Druck zu nehmen.

Bei den Frauen lastet dieser nahezu allein auf Viktoria Rebensburg. „Wir hoffen, dass sie, wie in den letzten Jahren, Zugpferd und Erfolgsgarant für das Damen-­Team sein wird. Ihr und unser Anspruch ist es, um die Disziplinenkugel zu kämpfen“, erklärte Alpinchef Maier. Die WM-Silbermedaillengewinnerin selbst setzt inzwischen andere Schwerpunkte, nach denen sie ihren Erfolg beurteilt: „Für mich sind drei Faktoren wichtig: Gesundheit, Spaß und ich sollte halbwegs schnell sein.“ Nach dieser Prämisse entscheidet die 30-Jährige von Saison zu Saison, ob sie weitermacht.

Denn auch einige Weggefährtinnen haben sich bereits verabschiedet, zuletzt der verletzungsgeplagte US-Star Lindsey Vonn. „Es sind schon ganz schön viele Athleten“, bemerkt Rebensburg beim Blick auf die Rücktrittswelle im alpinen Skisport, dem im Frühjahr auch der norwegische Olympiasieger Aksel Lund Svindal den Rücken gekehrt hat. „Aber man sieht: Wenn die Saison losgeht, ist die Normalität schnell wieder da und jeder fokussiert sich darauf, die maximale Leistung herauszuholen.“

Und so ist es den Sportlern nur zu wünschen, dass sie mit dem Startschuss in Sölden die Schlagzeilen zurückerobern.

So läuft der Auftakt in den alpinen Skizirkus

Traditionell beginnt der alpine Ski-Weltcup im österreichischen Sölden. Gefahren werden auf dem Rettenbachgletscher je ein Riesenslalom für Frauen (Samstag) und Männer (Sonntag/jeweils 10 und 13 Uhr/ARD und Eurosport). Die Frauen bestreiten in dieser Saison insgesamt 41 Einzel-Wettbewerbe, die Männer 45. Als „inflationär“ hat das etwa „Herminator“ Hermann Maier kritisiert. Immerhin: Eine Weltmeisterschaft findet in diesem Winter nicht statt, die nächste wird 2021 in Cortina d‘Ampezzo/Italien ausgetragen. 2022 steht Olympia in Peking im Mittelpunkt.