Singen / Petra Walheim Kampf um eine zweigleisige Gäubahn Singen – Stuttgart dauert viele Jahre. Unternehmer werden ungeduldig.

Vertreter der Wirtschaft im Südwesten des Landes haben die Nase voll davon, Jahre und Jahrzehnte auf den Ausbau der Gäubahn zwischen Singen und Stuttgart zu warten. Deshalb haben sich am Donnerstag Vertreter aus Wirtschaft und Politik der Region Hochrhein-Bodensee in Singen getroffen, um den Medien ihren Unwillen deutlich zu machen. „Entlang der Gäubahn sind 430 000 Wirtschaftsbetriebe angesiedelt“, sagte Thomas Conrady, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hochrhein-Bodensee. Viele von ihnen seien auf eine zuverlässige und schnelle Bahn angewiesen. „Die Gäubahn ist eine elementare Verbindung für die Wirtschaft.“

Doch die schwächelt. Seit die Franzosen 1946 das er kurz zuvor verlegte zweite Gleis abgebaut haben, ist die Gäubahn nur noch von Stuttgart bis Horb zweigleisig. Von Horb bis Singen müssen gegenläufige Züge an Ausweichstellen aufeinander warten, um aneinander vorbei zu kommen. Das kostet Zeit, die Reisende und Unternehmen nicht haben.

Deshalb kämpft unter anderem der Interessenverband Gäubahn seit Jahrzehnten für den zweigleisigen Ausbau der Gäubahn auf den Streckenabschnitten Horb- Neckarhausen, Rottweil-Neufra und Rietheim-Wurmlingen bei Tuttlingen. Mit dem Ausbau des Abschnitts Neckarhausen soll nach Auskunft von Ulrich Grosse vom Interessenverband 2021 begonnen werden.

Der Unmut unter den Wirtschaftsvertretern ist auch deshalb so groß, weil der Ausbau der Gäubahn finanziell abgesichert ist. Im Bundesverkehrswegeplan steht er im vordringlichen Bedarf. 550 Millionen Euro liegen bis 2030 für den Ausbau bereit. Gestern wurde bezweifelt, ob der Ausbau bis dahin umgesetzt sein wird.

Aktueller Grund, warum nichts vorangeht, ist die Streitfrage, ob auf der Strecke Neigetechnik-Züge eingesetzt werden sollen. Die Bahn lehnt das offenbar ab. Das Bundesverkehrsministerium unterstützt das. Bei einem Bahngipfel im Dezember will die Bahn eine Vergleichsstudie zu dieser Frage vorstellen. Bereits nächste Woche fahren Wirtschaftsvertreter aus der Region nach Berlin, um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen. Petra Walheim