Stuttgart / Dominique Leibbrand Nach der Zwangspause hat der Stuttgarter Zoo „Wilhelma“ wieder geöffnet. Die Besucher freut’s und offenbar auch die Affen. Die hatten sich gelangweilt. Doch es gibt einige Regeln zu beachten:

In Regenjacken eingemummelt und mit Schirmen in den Händen stapfen Andrea Dikel und Andrea Miller durch den Regen. Die Frauen sind Mitglieder im Förderverein der Wilhelma und seit Jahren Stammgäste. Als klar war, dass die durch Corona bedingte Zwangspause am 11. Mai enden würde, buchten sie sofort ein Ticket.

Dass es just am Eröffnungstag grau und nass ist – egal. „Wir haben so lange gewartet, da ist das Wetter zweitrangig“, sagt Andrea Dikel. In den vergangenen Wochen gab’s im Stuttgarter Zoo mehrfach Nachwuchs, den möchten die Frauen jetzt beäugen.

Ganz normal fühlt sich der Besuch für die Freundinnen dennoch nicht an. Miller zeigt auf ihren Mundschutz. „Das ist schon lästig, aber wenn es hilft, dann machen wir das halt.“

Fast auf den Tag genau acht Wochen lang hatte die Wilhelma geschlossen. Dass der Neustart am Montag sozusagen ins Wasser fällt, kommt Direktor Thomas Kölpin sogar entgegen. Bei weniger Besuchern habe man Gelegenheit, die neuen Abläufe zu erproben. Denn von einer Rückkehr zur Normalität kann keine Rede sein: Täglich dürfen nur 4000 Besucher aufs Gelände, während sonst an Spitzentagen bis zu 20 000 Menschen kommen. Es herrscht Maskenpflicht, zudem bleiben die Tier- und Pflanzenhäuser geschlossen.

„Wir sind sehr vorsichtig und vielleicht auch ein bisschen strenger als andere Zoos, weil wir verhindern möchten, dass die Wilhelma zu einem Infektionsherd wird“, erklärt Kölpin. Corona halte man nach wie vor für „ein echtes Problem“. Besucher, Mitarbeiter und vor allem die Tiere müssten geschützt werden. „Wir wissen, dass einige Tierarten empfindlich auf das Virus reagieren“, sagt Kölpin und verweist auf den Fall aus New York, wo ein Tierpfleger ein Tiger-Weibchen angesteckt hatte. Aber nicht nur Raubtiere, sondern auch Primaten gehörten zur Risikogruppe. Kölpin: „Da man an vielen Ecken näher als zwei Meter an die Tiere herankommt, haben wir uns für die Maskenpflicht für alle Besucher ab sechs Jahren entschieden.“

15 Ordner zusätzlich zu den eigenen Kräften hat die Wilhelma bei einer Securityfirma angeheuert. Allzu viel haben sie am ersten Tag noch nicht zu tun. In großen Abständen sieht man die wenigen Besucher, darunter häufig Familien mit kleinen Kindern, an Flamingos und Robben vorbeiziehen. Den Zahlen zufolge, die Pressesprecher Harald Knitter bereithält, hatten im Vorfeld 762 Besucher Tickets für den Montag gebucht, darunter größtenteils Jahreskarteninhaber und Förderer. Um den Zustrom begrenzen zu können, ist die Vorabanmeldung obligatorisch. Am Freitag wurde dafür ein Online-Ticket-System scharf gestellt.

Drei Millionen Euro Verlust

Dass künftig wenigstens die Obergrenze von 4000 Besuchern pro Tag erreicht wird, darauf dürfte Kölpin setzen, schließlich hat der Zoo acht Wochen lang nichts eingenommen und bietet die Tickets jetzt wegen des eingeschränkten Angebots zum günstigeren Abendtarif an. „Die Eintrittserlöse machen 70 Prozent unserer Einnahmen aus“, sagt Kölpin. Gleichzeitig habe man laufende Kosten von täglich 70 000 Euro. Den Einnahmeverlust während der Schließzeit beziffert er auf rund drei Millionen Euro. Ende des Jahres müsse man Bilanz ziehen. Kölpin: „Wir haben noch Rücklagen, die sind aber eigentlich zweckgebunden.“

Von diesen Sorgen abgesehen, freut sich Kölpin jetzt einfach, wieder Gäste empfangen zu können, denn dafür sei man da. Einige Tiere hätten sich zudem ohne die Besucherströme gelangweilt, etwa die Menschenaffen, die auch gern selbst beobachteten, oder die Raubkatzen. Als Privatmann trauert der Direktor, der mit seiner Familie auf dem Gelände lebt, der Zwangspause hingegen fast ein bisschen hinterher. „Ich habe die Ruhe genossen“, sagt Kölpin. Auch seine drei Töchter hatten offenbar ihren Spaß. Sie hatten die Spielplätze ganz für sich allein und durften mit dem Rad übers Gelände heizen. In normalen Zeiten undenkbar.

Tickets und Parkplätze vorher buchen

Spontanbesuche in der Wilhelma sind derzeit nicht möglich, Besucher müssen vorab unter wilhelma.de ein Ticket buchen. Auch Parkplätze müssen vorab reserviert werden. Derzeit sind auf dem Portal Termine bis Ende Mai freigeschaltet. 11 000 Anmeldungen für den Mai gibt es laut Pressesprecher Harald Knitter bereits. Spitzentag bislang ist der morgige Mittwoch mit 1500 Anmeldungen. dl