Reutlingen / lsw Helmholtz-Zentrum erforscht den Durchseuchungsgrad der Deutschen. Tests beginnen in Reutlingen.

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) führt eine bundesweite und langfristig angelegte Antikörperstudie durch. Erste Station des Testzentrums: ein ehemaliges Paketpostgelände in Reutlingen. Später folgen Testzentren in acht anderen Gemeinden.

Studienleiter Gérard Krause:  „Wir wollen besser verstehen, mit welcher Geschwindigkeit sich das Coronavirus verbreitet, welche Bevölkerungsgruppen betroffen sind und wie viele wahrscheinlich immun sind.“ Seinen Angaben nach handelt es sich um die bisher größte Antikörperstudie in Deutschland.

Wissenschaftliche Daten deuten darauf hin, dass viele Covid-19-Fälle so milde verlaufen, dass sie nicht erkannt werden. Die Infizierten entwickeln aber Antikörper und gelten nach bisheriger Kenntnis als immun gegen das Virus. Das Wissen um die Durchseuchung der Gesellschaft könnte daher eine wichtige Entscheidungsgrundlage im künftigen Umgang mit der Pandemie sein.

2500 Menschen im Kreis Reutlingen sollen innerhalb von zunächst vier Wochen auf Antikörper gegen Sars-CoV-2 getestet werden. Sie werden über das Einwohnermeldeamt nach dem Zufallsprinzip angeschrieben und eingeladen. Eine weitere Erhebung ist für den Herbst oder Winter vorgesehen.

Herausfinden wollen die Forscher unter anderem, inwieweit die Zahl jener Menschen mit Antikörpern mit der Zahl der gemeldeten Infektionsfälle übereinstimmt. Neben Alter und Geschlecht sollen beispielsweise auch Berufsgruppen und Vorerkrankungen der Probanden abgefragt werden. Krause: „Wir hoffen, in Zukunft Daten von zigtausenden Probanden zu haben.“

Seit Anfang Mai bietet das Tübinger Humangenetik-Labor CeGaT in Tübingen Antikörpertests an. Weitere Teststandorte in Bitterfeld in Sachsen-Anhalt, Dachau, Frankfurt und Stuttgart folgten. Zudem können Menschen von überall Testkits bei der Firma bestellen, sich bei ihrem Hausarzt Blut abnehmen lassen und die Probe zur Auswertung zurück an CeGaT senden. Das Labor aktualisiert die Ergebnisübersicht wöchentlich. dpa