In den letztlich gescheiterten Jamaika-Verhandlungen 2017 gab es für die Verhandler von CDU, Grünen und FDP zahllose Hürden und Probleme. In Erinnerung geblieben ist Cem Özdemir aber ausgerechnet der Kampf gegen die Beleuchtung im Kanzleramt. Seine schwäbische Sparsamkeit trieb ihn so weit, dass sogar die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel abends nach ihm suchten musste, erzählt der 60-Jährige heute.
Am Ende eines Verhandlungstags habe in dem Sitzungsraum im Kanzleramt noch das Licht gebrannt, erzählt er. «Da dachte ich, ich kann doch jetzt nicht einfach gehen und das Licht anlassen - das macht man einfach nicht als Baden-Württemberger», so Özdemir. Allerdings gestaltete sich die Aufgabe schwerer als gedacht: «Jetzt haben diese modernen Büros alle ja nicht mehr so Klickschalter wie früher, wo du einfach den Schalter drückst und das Licht geht aus, sondern so richtige Boards mit ganz vielen Schaltern. Da war ich ziemlich überfordert und lange beschäftigt.»
Merkel suchte den verschwundenen Verhandler
Irgendwann sei Merkel zurückgekommen, weil ihr aufgefallen sei, dass einer der Teilnehmer fehlte. «Irgendwann sehe ich, dass Frau Merkel im Türrahmen steht. Sie ist zurückgekommen, weil sie gemerkt hat, der Özdemir war doch auch dabei, der fehlt. Und als sie mich sieht, sagt sie: Was machen Sie hier?», erzählt der Grünen-Politiker und lacht. Die Jamaika-Sondierungen zwischen Union, FDP und Grünen scheiterten schließlich im November 2017, nachdem die FDP die Verhandlungen verlassen hatte.
Auch heute noch muss Özdemir stets das Licht ausschalten, im Staatsministerium oder auch zu Hause. Das sei «eine richtig schwäbische Marotte von mir», sagt er. «Meine Kinder macht das ganz verrückt.» Es sei aber nicht seine einzige Obsession: «Ich muss immer das Licht ausschalten, die Fenster zumachen, wenn geheizt wird, den Müll richtig trennen und so weiter.»
