Biberach / Ulm / Stuttgart / Von Alfred Wiedemann Die Zahl der Ansteckungen geht in Baden-Württemberg zurück. Auch im Kreis Biberach, der 2018 mit einem Anstieg der Infektionen kämpfte. Von Alfred Wiedemann

Fast 1600 Fälle von Keuchhusten sind dieses Jahr schon in ganz Baden-Württemberg gemeldet worden. Die hochansteckende Infektionskrankheit der Atemwege, verursacht durch das Bakterium Bordetella pertussis, kommt viel häufiger vor als die Masern: Da wurden 2018 insgesamt 101 Fälle amtlich gezählt im Südwesten.

Dabei gilt auch für Keuchhusten: Impfen hilft. „Da Säuglinge erst ab dem dritten Lebensmonat geimpft werden können, ist der Immunschutz bei Eltern oder anderen im Haushalt lebenden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen eine der wichtigsten Vorsorgemaßnahmen“, sagt eine Sprecherin des Landesgesundheitsamts beim Stuttgarter Regierungspräsidium. „Erkrankte Haushaltskontakte“ seien die Hauptansteckungsquelle für Säuglinge. Umso wichtiger ist, dass auch Opa und Oma ihren Impfschutz prüfen, wenn sich Enkel ankündigen. Die Immunisierung hält nicht lebenslang.

Keuchhusten trifft jedes Alter. Langandauernde Hustenattacken sind charakteristisch, Atemnot und Erbrechen können hinzukommen. Die Kleinsten haben aber das höchste Risiko für Komplikationen. Bei Säuglingen im ersten Lebensjahr drohen statt der Hustenattacken lebensbedrohliche Anfälle von Atemstillstand. In diesem Jahr gab es schon 62 Keuchhusten-Fälle bei Säuglingen, bei sieben Kindern wurde Atemstillstand angegeben. Von 2016 bis 2018 haben sich im Südwesten jedes Jahr zwischen 110 und 129 Babys mit Keuchhusten angesteckt, so das Landesgesundheitsamt.

Antibiotika muss in den ersten Wochen gegeben werden, dann kann der Keuchhusten gemildert werden. Trotzdem dauern die Hustenanfälle oft an. Startet die antibiotische Therapie nicht in der Anfangsphase, hilft sie nach Angaben des Landesgesundheitsamtes wenig gegen Hustendauer und Hustenheftigkeit. „Die Antibiotika-Einnahme verhindert jedoch die Ansteckung weiterer Personen.“

Todesfälle durch Keuchhusten gab es seit 2017 in Baden-Württemberg nicht mehr. 2016 starb ein Baby an den Folgen der Krankheit. Wenn über Impfpflicht und Impfquoten diskutiert wird, geht es aber fast immer nur um die Masern. „Keuchhusten haben viele nicht so richtig auf dem Radar“, sagt Monika Spannenkrebs, Leiterin des Biberacher Kreisgesundheitsamtes. Häufen sich plötzlich die Pertussis-Fälle, ist das anders.

Im Herbst 2018 war das im Kreis Biberach der Fall. Gegen den Landestrend hatten sich die Fälle mehr als verdoppelt. Der Erreger hatte sich über ungeimpfte Kinder verbreitet, das konnte über die Infektionskette verfolgt werden.

Die Berichterstattung über die gehäuften Pertussis-Fälle hatte positive Folgen: Dadurch haben mehr Leute ihren Impfschutz überprüft, sagt Spannenkrebs. „Das zeigten die Rückmeldungen von Ärzten.“ Es gab mehr Auffrischimpfungen, vor allem mit Kombinationsimpfstoff gegen Wundstarrkrampf, Diphtherie, Kinderlähmung und Keuchhusten. Einige Anrufer ließen sich auch direkt beim Gesundheitsamt beraten. Zudem sei in den fünften und sechsten Klassen ein ohnehin geplanter Impfcheck gelaufen.

„Den eigenen Impfschutz zu überprüfen, das macht immer Sinn“, sagt Spannenkrebs. Oft hilft der Blick ins eigene Impfbüchlein. In der Spalte der jeweiligen Impfung steht meistens mit Bleistift eine Jahreszahl: „Da schreiben die Ärzte normalerweise rein, wann die nächste Auffrischung nötig ist“, sagt Spannenkrebs. Wer unsicher ist, nimmt sein Impfbuch mit zum Hausarzt und lässt nachschauen. Die Krankenkassen zahlen die Impfungen.

In diesem Jahr meldet der Kreis Biberach bisher elf Per­tussis-Fälle. Eine „sehr überschaubare Zahl“, sagt Amtsleiterin Spannenkrebs. In ganz Baden-Württemberg sind die Zahlen nach Angaben des Landes­gesundheitsamtes in den vergangenen Jahren rückläufig. Allerdings fallen die Daten auf ­Kreisebene sehr unterschiedlich aus. Schuld daran sind „lokale oder regionale Erkrankungshäufungen“, so das Landesgesundheitsamt.

Pertussis-Impfung ist der beste Schutz

Für Kinder in den ersten zwei Lebensjahren werden Impfungen zum Schutz gegen 13 Krankheiten empfohlen – auch gegen Keuchhusten. Bei den Einschulungsuntersuchungen lagen die Impfquoten für die Grundimmunisierung der Vier- und Fünfjährigen laut Landesgesundheitsamt 2017 bei 89 Prozent und 2018 bei 88,4 Prozent im Südwesten.

Keuchhusten ist hochansteckend und kann schwere und langanhaltende Husten­attacken mit Atemnot und Erbrechen verursachen. Antibiotika helfen gegen die schlimmen Husten­attacken, müssen dazu aber in den ersten ein bis zwei Wochen gegeben werden. Den besten Schutz bietet die Pertussis-Impfung, sagt das Landesgesundheitsamt. eb