Stuttgart / Axel Habermehl Die Kriminalität im Land geht insgesamt zurück. In manchen Bereichen nimmt die Zahl der Straftaten aber zu.

Die Kriminalität in Baden-Württemberg bewegt sich wie in den Vorjahren auf einem im historischen Vergleich niedrigen Niveau. Das geht aus dem Sicherheitsbericht des Landes-Innenministeriums hervor, der am Montag im Internet veröffentlicht wurde.

Der Bericht basiert auf Daten der polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS) und wird seit 2017 jährlich vom Innenministerium herausgegeben. Dem Papier zufolge lag die Zahl der polizeilich erfassten Straftaten im Jahr 2019 mit 573 813 Taten leicht über dem Wert aus dem Vorjahr. 2018 zählten die Behörden 572 173 Straftaten. Die Aufklärungsquote sank leicht von 62,7 Prozent (2018) auf 61 Prozent (2019).

Da aber die Bevölkerung anstieg, ging die so genannte Kriminalitätsbelastung zurück: Sie lag bei 5184 Taten pro 100 000 Einwohner im Land (2018: 5191) und erreichte damit „den niedrigsten Wert seit Mitte der 1980er Jahre“, wie Innenminister Thomas Strobl (CDU) erfreut feststellte. Er zeigte sich auch insgesamt zufrieden mit den Zahlen: „Baden-Württemberg ist bei der Inneren Sicherheit auch nach dem aktuellen Sicherheitsbericht wieder bundesweit Spitzenklasse“, wurde er in einer Mitteilung seines Ministeriums zitiert.

Besonders hob Strobl die Rückgänge beim Diebstahl (gegenüber 2018 um 6 Prozent auf 159 423 Fälle) und beim Wohnungseinbruchdiebstahl hervor. Auch die Gewaltkriminalität nahm ab: Sie sank gegenüber dem Vorjahr um 5,8 Prozent auf 17 331 Fälle.

Jedoch zeigt die Statistik auch deutliche Anstiege in einigen ­Verbrechensfeldern. So nahmen die Sexualstraftaten um sieben Prozent zu. Dies ist laut Strobl vor allem auf eine deutliche Zu­nahme der Verbreitung von Kinder­pornografie im Internet zurückzuführen. „Necmec, eine Organisation in den USA, gibt Hinweise der Internetdienste auf kin­derpornografische Inhalte an Strafverfolgungsbehörden weiter, so auch nach Deutschland, was ­einen enormen Fallzahlenanstieg im Bereich der Verbreitung von Kinderpornografie zur Folge hat“, merkte der Minister an. Zudem steige die Anzeigenbereitschaft. Jede vierte Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung fand im Südwesten aber im öffentlichen Raum statt.

Mehr Gewalt gegen Beamte

Auch in Deliktfeldern wie Cybercrime und politisch motivierter Kriminalität gibt es Anstiege. Die Gewalttaten gegen Polizisten und Feuerwehrleute nahmen um rund fünf Prozent zu. Die 4993 Taten sind ein neuer Rekord und etwa 1000 Übergriffe mehr als noch vor fünf Jahren. Auch stiegen die Rauschgiftdelikte, und zwar im neunten Jahr in Folge. Hintergrund waren besonders gestiegene Zahlen im Bereich Besitz und Erwerb verbotener Drogen.

Dieser Einblick in die Rauschgiftszene zeigt zugleich die Schwächen der polizeilichen Kriminalitätsstatistik, denn hier handelt es sich vor allem um Kontrolldelikte, die nur auffallen, wenn die Polizei kontrolliert. Die PKS bildet insgesamt nur das „Hellfeld“ der Kriminalität ab. Sie führt „nur“ Straftaten auf, die der Polizei bekannt werden.

Axel Habermehl