Als der SC Freiburg nach dem desolaten Auftritt in Dortmund für die Heimreise den Mannschaftsbus betrat, stimmte eine Handvoll Fans das Team auf das anstehende Europapokal-Highlight ein. Doch einige Spieler und Trainer Julian Schuster hoben nur müde die Faust in die Höhe. Die Generalprobe war für das Halbfinal-Hinspiel in der Europa League mit dem 0:4 beim BVB kräftig misslungen.
«Wir haben bis hierhin eine gute Saison gespielt, vor allem auch in der Europa League. Und die Vorfreude ist einfach riesig. Darum glaube ich, wird das Spiel relativ schnell abgehakt sein», sagte Abwehrspieler Philipp Lienhart vor der Partie bei Sporting Braga in Portugal am Donnerstag (21.00 Uhr/RTL).
Lienhart: «Zu wenig»
Dennoch wirkte der Österreicher nach einer enttäuschenden Woche samt kräftezehrendem Halbfinal-Aus im DFB-Pokal in Stuttgart genervt von der Darbietung im Westfalenstadion. Die umgekrempelte Mannschaft aus Baden machte zu viele individuelle Fehler, wirkte kraft- und ideenlos. «Ich glaube nicht, dass es an der Belastung lag, sondern es war heute einfach zu wenig, um in Dortmund zu bestehen», räumte Lienhart ein.
Mit dem Kopf schon in Braga? So wirkte es teils. Denn die Freiburger wollen ihre Europapokal-Erfolgsgeschichte weiterschreiben und nach den beeindruckenden Viertelfinal-Auftritten gegen Celta Vigo das Ticket für das Endspiel in Istanbul am 20. Mai lösen.
Schuster äußert sich zu Ginter & Co
Gegen die Müdigkeitsthese spricht, dass die Freiburger mit einigen frischen Kräften starteten. Trainer Schuster rotierte auf sieben Positionen. Die Leistungsträger Johan Manzambi, Matthias Ginter und Yuito Suzuki standen nicht im Kader.
Trainer Schuster gab allerdings Entwarnung. Bei allen Spielern gebe es keine größeren Verletzungen. Nach dem Pokalspiel am Donnerstagabend, das die Freiburger beim VfB unglücklich in der Verlängerung verloren, seien die Stammkräfte nicht in dem körperlichen Zustand gewesen, um «voll reinzugehen», sagte Schuster. «Wir sind am Freitagmorgen kurz nach vier zu Hause angekommen. Die Jungs habe wirklich alles herausgepresst, was in ihrem persönlichen Tank war», fügte er hinzu.
Die fehlende Stabilität im SC-Spiel durch Ginters und Manzambis Fehlen war insbesondere in der ersten Hälfte spürbar. Vor allem bei den ersten beiden Treffern wurde es dem BVB zu leicht gemacht.
«Unter dem Strich ist es eine verdiente Niederlage», stellte Schuster klar. «Für uns ist jetzt wichtig, nach dieser Woche einen Haken dranzumachen. Das zeichnet die Mannschaft aus. Nach Siegen entsprechende Lehren richtig zu ziehen. Aber genauso tut sie das eben auch nach Niederlagen.»
Freiburg schaffte es nicht, den nun punktgleichen Konkurrenten Eintracht Frankfurt wieder von Rang sieben zu verdrängen. Die Hessen haben das bessere Torverhältnis. Der volle Fokus des Südwestclubs liegt aber jetzt erst einmal auf dem ersten Teil der Europapokal-Halbfinal-Herausforderung.

