Überlingen/Eppingen / Hans Georg Frank Weil Überlingen im Corona-Jahr verzichten muss, gibt es 2021 die beliebten Großveranstaltungen fast zeitgleich in zwei Versionen. Von Hans Georg Frank

Die Landesgartenschau 2020 in Überlingen fällt aus. Der Gemeinderat und der Aufsichtsrat haben sich für eine Verschiebung ins Jahr 2021 entschieden. Wegen der Corona-Krise war kurzfristig die feierliche Eröffnung am 23. April abgesagt worden. Ein neuer Termin wurde zunächst nicht genannt. Aber wegen der ungünstigen Umstände im Zusammenhang mit Covid-19 wird nun eine solche Großveranstaltung nicht mehr für sinnvoll und realisierbar erachtet.

„Wir sind sehr erleichtert, dass wir nun Gewissheit haben“, kommentierte Oberbürgermeister Jan Zeitler (SPD) den Beschluss. Ein extra geschnürtes Finanzpaket der Landesregierung mit vier Millionen Euro helfe sehr, „das zu erwartende Defizit einzugrenzen“. Am Bodensee, aber auch bei der Landesregierung war nicht mehr damit gerechnet worden, dass das extra umgestaltete Areal an der Uferpromenade und diverse Gärten zum Schauplatz eines Massenauflaufs werden könnten.

Risiko? Chance!

Zuerst dachte Klaus Holaschke, parteiloser Oberbürgermister von Eppingen (Kreis Heilbronn), an ein Risiko, als er die Nachricht vom Bodensee erhielt. Einige Überlegungen später, nach dem Telefonat mit dem Kollegen Zeitler und einem Brief an Minister Peter Hauk (CDU) geht der Kommunalpolitiker nun von einer Chance aus. 2021 wird Eppingen Gastgeber einer kleinen Gartenschau sein. Holaschke hoffte auf ein Alleinstellungsmerkmal. Jetzt gibt es eben den Doppelpack.

„Schon allein aufgrund der räumlichen Distanz sehe ich keine Konkurrenzsituation“, sagte Landwirtschaftsminister Hauk auf Anfrage. 2019 habe es eine ganz ähnliche Situation gegeben – in Heilbronn eine Bundesgartenschau mit rund 2,3 Millionen Besuchern und im Remstal eine Gartenschau mit etwa zwei Millionen Besuchern. „Das hat damals sehr gut funktioniert.“

Auch Klaus Holaschke möchte nicht von einer Konkurrenz sprechen, lieber von Solidarität. Natürlich, meinte er im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE, werde es Schnittmengen geben, aber er setze zugleich auf Synergieeffekte. Es werde schon überlegt, wie sich die beiden Städte bei den jeweiligen Schauen der Partner präsentieren können. Auch an ein Kombiticket werde gedacht. Möglich ist auch die gegenseitige Anerkennung der Dauerkarten. Einsparungen sollen offenbar Besucher locken. Holaschke befürchtet, dass das Geld im nächsten Jahr bei den Leuten „nicht mehr so locker“ sitzt.

In den kommenden Wochen gibt es noch etliche Details zu klären, die Besuchern gar nicht in den Sinn kommen. Üblicherweise werden so nützliche Einrichtungen wie Drehkreuze von Kommune zu Kommune weitergereicht. Nächstes Jahr aber kann Eppingen darauf nicht zurückgreifen, weil sie in Überlingen benötigt werden. „Dadurch entsteht ein finanzieller Mehraufwand“, sagt Holaschke.

Diverse Fördertöpfe

Für den OB ist die Gartenschau „eine Riesenchance für die Stadtentwicklung“. Dank der Gelder aus diversen Fördertöpfen des Landes würden Daueranlagen für 14 Millionen Euro geschaffen: „Das wäre sonst nur in zehn oder 15 Jahren möglich.“ Der frühere Gasthof „Schwanen“ wird in ein Bürgerhaus verwandelt. Von den 3,2 Millionen Euro stammen zwei Millionen aus der Staatskasse.

Eppingen, im Norden des Landes, ist 236 Kilometer entfernt von Überlingen. Nur 50 Kilometer liegen zwischen Überlingen und Lindau, wo 2021 eine von zwei bayerischen Gartenschauen inszeniert wird. Im Freistaat hat Ingolstadt dieses Jahr kapituliert, 2021 soll nachgeholt werden, was heuer an 164 Tagen als „Inspiration Natur“ versprochen worden war.

Zwischen den Machern am Bodenseeufer gebe es schon länger Kontakte, sagte der Überlinger Geschäftsführer Roland Leitner. Er gibt sich optimistisch: „Da jede Gartenschau einen sehr individuellen, auf den jeweiligen Ort zugeschnittenen ganz eigenen Charakter hat, bin ich mir sicher, dass sich alle befruchten werden in diesem außergewöhnlichen Gartenschaujahr 2021.“

Mehr Personal für den Treffpunkt

Der Treffpunkt Baden-Württemberg ist seit dem Start 1980 in Ulm eine beliebte Selbstdarstellung des Landes bei Gartenschauen. In Überlingen und Eppingen werde diese Anlaufstelle für Interessenten gleichermaßen vertreten sein, teilte das Ministerium für den ländlichen Raum auf Anfrage mit.

Der Betreiber, ein externe Dienstleister, werde für die Doppelaufgabe zusätzliches Personal einstellen, sagte ein Ministeriumssprecher. Bis Ende dieses Jahres werde „ein facettenreiches und hochwertiges Programm“ erstellt. Eingebunden werden Ministerien und nachgeordnete Behörden, um ihre Arbeit bei Ausstellungen und Vorträgen ins rechte Licht zu rücken. hgf