Überlingen / Petra Walheim Tausende Hästräger aus  Rottweil, Elzach und Oberndorf pflegen in Überlingen ihr Brauchtum.

Wer das Video auf der Internetseite zum Narrentag 2020 in Überlingen anklickt, sieht zunächst nur Wasser, hört es plätschern, dann weiß behandschuhte Hände, die rudern. In kurzen Sequenzen werden immer wieder Details von vier Figuren der Zünfte des Viererbundes sichtbar: des Überlinger Hänsele, des Elzacher Schuddig, des Oberndorfer Hansele und des Rottweiler Federahannes. Zum Überlinger Narrenmarsch rudern das Hänsele und der Federahannes das Narrenschiff über den Bodensee, auf Überlingen zu.

Zigtausende Fastnachter werden zum Narrentreffen des Viererbundes erwartet. Das findet nur alle drei bis vier Jahre statt, dieses Jahr zum 20. Mal. In Überlingen war es zuletzt 2006. Voll wird es auch in den Häusern. Das närrische Volk der Zünfte kennt sich. Deshalb bieten die Fastnachter, bei denen das Narrentreffen stattfindet, private Unterkünfte an. Übers Wochenende dürfte in der Stadt jedes Sofa belegt sein.

Die meisten Närrischen werden aber nicht groß zum Schlafen kommen. 44 Besenwirtschaften, im Stadtgebiet verteilt, warten auf Gäste. Nach Auskunft von Thomas Pross, Narrenvater der Überlinger Zunft, gibt es 87 Gelegenheiten, die Fasnet zu feiern.

Eine besondere ist die MS München. Das Schiff liegt von Samstag, 10 Uhr, bis Sonntagabend als Narrenschiff im Überlinger Hafen. Es wird fest vertäut, schwanken kann es trotzdem. „Wir haben die MS München für den Narrentag gechartert“, sagt Pross. Bis zu 600 Gäste können darauf feiern.

Am Freitag wird um 19 Uhr in der Städtischen Galerie „Fauler Pelz“ die Ganzjahres-Ausstellung „Fasnet hoch 4. Schwäbisch-ale­mannische Narretei im Viererbund“ eröffnet. Darin wird auch erklärt, warum die vier Zünfte seit den 1950ern nicht mehr Mitglieder der Vereinigung schwä­bisch-alemannischer Narrenzünfte (VSAN) sind, seit 1963 ihre eigenen Narrentreffen veranstalten, konsequent unter sich bleiben und die Fastnacht vor allem in den eigenen Städten feiern. Sie werden auch als „Rebellen-Zünfte“ bezeichnet. Dabei war und ist es ihnen nur wichtig, ihr Brauchtum zu bewahren.

Das wird sich auch am Wochenende zeigen. Das Programm am Samstag beginnt mit dem Aufstellen des Narrenbaumes, verbunden mit einem kleinen Umzug. Einer der Höhepunkte ist am Samstagabend der schaurig-schöne Nachtumzug der Elzacher Schuddig. Die werden von 19 Uhr an mit Fackeln und ihren Saublodere (mit Luft gefüllte Schweinsblasen) durch die Stadt ziehen.

Der große Umzug mit den tausenden Hästrägern, Kapellen und Narrenräten aller vier Zünfte beginnt am Sonntag um 14 Uhr. Bei diesem Umzug werden Überlinger Hänsele ihr Können beim Schnellen zeigen. Seit dem Dreikönigstag üben viele auf den Straßen, damit ihre Karbatschen ordentlich knallen und den Zuschauern nichts passiert.

Die werden genug damit zu tun haben, sich gegen die Saublodere der Elzacher Schuddig zu wehren, die ihnen über die Köpfe gezogen werden. Die Rottweiler Federahannes streifen ihnen parfümierte Kuhschwänze unter der Nase durch, und die Oberndorfer Narro werfen Brezeln, die Hansele Süßigkeiten und die Schantle Orangen und Würste aus.

Der nächste Narrentag ist in Oberndorf. Wann, das wird Ende des Jahres beschlossen.

Petra Walheim