Endingen / Petra Walheim Ex-Polizeisprecher Walter Roth verfasst ein Buch über den Mord an der Joggerin Carolin G. im Jahr 2016.

Es liest sich wie ein Krimi, ist auch einer. Aber kein fiktiver, bei dem sich der Leser zur Beruhigung seiner Anspannung immer wieder darauf zurückziehen kann, dass alles nur erfunden ist. Das funktioniert bei dem Buch „Soko Erle – Der Mordfall Carolin G.“ von Walter Roth nicht.

Das Bewusstsein, dass alles, was in dem Buch steht, so geschehen ist, macht das Lesen anstrengend, zerrt noch einmal an den Nerven. Vor allem bei denjenigen, die die knapp sieben Monate dauernden Ermittlungen zum Mordfall an der 27-jährigen Joggerin Carolin G. in den Weinbergen von Endingen am Kaiserstuhl im November 2016 mitverfolgt hatten. Erst recht bei denen, die den Täter ermittelt haben.

Wie das gelang, beschreibt Walter Roth in seinem Buch, das von Anfang an fesselt. Der 62-jährige Kriminalhauptkommissar war Pressesprecher der Polizei und Mitglied der „Soko Erle“, die den Fall löste. Seit Herbst 2019 ist er im Ruhestand. „Der Mordfall Endingen war in seiner Konstellation derart außergewöhnlich, dass ich mich nach Ende der Ermittlungen zum Schreiben dieses Buches entschieden habe“, sagte Roth der dpa.

Die Schilderungen beginnen mit dem frühmorgendlichen Anruf bei Roth und der Nachricht, es werde eine Joggerin vermisst. „27. Ganz normale Familie. Echt komische Sache“, heißt es in dem Buch. Roth beschreibt die Ermittlungsarbeit aus seiner Sicht. So bekommt der Leser auch viel Atmosphärisches aus dem knapp 10 000 Einwohner zählenden Städtchen am Rand des Kaiserstuhls mit. Die Familie von Carolin G. ist bekannt in Endingen, und so ist die Anteilnahme groß.

Es dauert vier Tage, bis die Leiche der jungen Frau gefunden wird. Carolin G. war am Nachmittag des 6. November 2016 zum Joggen in den Weinbergen zwischen Endingen und Bahlingen aufgebrochen – und nicht zurückgekehrt. Roth beschreibt, wie jede noch so kleine Spur verfolgt wird und wie die Angst in Endingen umgeht, weil zunächst ein Zusammenhang mit dem Mord an einer Studentin in Freiburg drei Wochen zuvor hergestellt wurde. Den gab es nicht, stattdessen zu einem Mord an einer französischen Austausch-Studentin in Kufstein in Tirol drei Jahre zuvor.

Der Autor gibt einen authentischen Einblick in die Arbeit der Polizei und erzählt auch von skurrilen Begegnungen. Das Buch endet mit der Pressekonferenz am 3. Juni 2017 in Endingen, in der verkündet wurde, der Täter sei gefasst, und mit dem Urteil des Landgerichts Freiburg. Der 40-jäh­rige rumänische Lastwagenfahrer wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Petra Walheim