Pforzheim / lsw Dem 58-Jährigen wird es zu eng in Pforzheim. In seiner Partei hat er aber nicht nur Freunde.

Wenn Uwe Hück sich einmischt, dann richtig. In die Pforzheimer SPD ist der frühereThaibox-Europameister und Porsche-Betriebsratschef so heftig hineingerauscht, dass der Kreisverband auseinanderzufliegen droht.

Fast zwei Dutzend langjährige Mitglieder haben nach Monaten der Scharmützel einen offenen Brief als viertelseitige Anzeige in der „Pforzheimer Zeitung“ veröffentlicht. Sie werfen Hück vor, eine große Zahl neuer Mitglieder in die Partei gebracht zu haben, in einer geschlossenen Gruppe zu führen und damit einen Zersetzungsprozess in der Partei zu betreiben.

Wie konnte es soweit kommen? Hück wollte nach seinem Rücktritt als Porsche-Gesamtbetriebsratschef bei der Kommunalwahl 2019 mit einer eigenen Liste in Pforzheim antreten. SPD-Landeschef Andreas Stoch fing das langjährige Parteimitglied wieder ein, indem er ihm den roten Teppich ausrollte. Hück durfte an die Spitze der SPD-Liste und holte die meisten Stimmen.

Der 58 Jahre alte Hück will aber mehr als Gemeinderat. Zuerst redete er von einer Bundestagkandidatur. Doch die Pforzheimer SPD-Abgeordnete Katja Mast kämpfte.

„Es gibt politische Spielregeln. Wenn ich eine starke SPD will, sollte ich dafür sorgen, dass die SPD nach außen geschlossen auftritt“, sagt Mast. Debatten will sie innerhalb der Partei austragen. Da gehörten sie hin.

Inzwischen scheint Hück auf den Landtag zu blicken, der im März gewählt wird. „Die Basis entscheidet, in welche Richtung ich gehe. Die ersten Anzeichen sind klar, dass ich im Land bleibe“, sagt er. Er habe gesagt, er gehe in die Politik, um die Politik zu verändern, sagt Hück. „Das habe ich so gemeint, und das setze ich eins zu eins um.“ Der offene Brief der SPD-Mitglieder, Hück nennt sie Rentner, ist aus seiner Sicht eine Verzweiflungstat. „Die alte SPD ist eine Unterwerfungs-SPD und eine Angst-SPD.“ Die neuen Mitglieder, fast ein Drittel der gut 300 Sozialdemokraten in Pforzheim, wollten mit dieser alten SPD nichts zu tun haben. Die heutigen Funktionäre hätten sich von der Basis entfernt.

Landeschef Stoch sagt, SPD-Landtagsmitglieder müssten sich in die Fraktion einfügen. Und mit Blick auf Hück: „Auch da hätte ich diese Erwartung und würde alles dafür tun, dass das so funktioniert“. dpa