Eishockey

Titel, Tränen, Zukunftsfragen: Eisbären Berlin vor Umbruch?

Die Eisbären feiern ihren zwölften Titel – doch Abschiede von Schlüsselspielern und Coach Serge Aubin stellen den Serienmeister vor eine große Herausforderung.

Mit goldenem Konfetti auf dem von Sekt und Bier verklebten Trikot genoss Marcel Noebels noch diesen Moment mit seinen Berliner Eisbären. Während sich der Routinier nach der erneuten Titelverteidigung mit bewegenden Worten vom Eishockey-Serienmeister verabschiedete, klatschte Coach Serge Aubin mit feuchten Augen alle Spieler und seinen Trainerstab ab. 

Was zunächst nicht wie ein Lebewohl aussah, dürfte genau das gewesen sein. Denn dem Rekordchampion der Deutschen Eishockey Liga droht der Abgang seines Meistermachers. Ein Bericht des schweizerischen Nachrichtenportals «Watson.ch» deckt sich mit dpa-Informationen, wonach Aubin vor einem Wechsel zum SC Bern steht - trotz eines bis 2028 laufenden Vertrags, der im Juni 2025 vorzeitig verlängert wurde. Auch «Bild» und «Kicker» berichteten.

Die Jubelstürme in der SAP Arena nach dem 4:1 waren kaum verklungen, die Bilder des zwölften Meistertitels noch frisch. Und doch mischte sich in die ausgelassene Stimmung bei den Berlinern bereits eine nachdenkliche Note.

Noebels hätte Karriere gerne in Berlin beendet

Noebels erklärte nach seiner fünften Meisterschaft in zwölf Jahren: «Für mich ist die Finalserie sehr emotional. Klar, ich wusste im Endeffekt, dass das letzte Spiel kommen wird. Nichtsdestotrotz glaube ich, hätte es für mich keinen besseren Abschied geben können.»

Ursprünglich habe er geplant, seine Karriere in Berlin zu beenden, meinte er. «Ich wäre natürlich gerne noch viele, viele weitere Jahre hier geblieben. Aber manchmal gibt es im Leben Sachen, die man nicht einplant. Aber wenn eine Tür zugeht, dann geht eine andere auf.» 

Der Weg des Olympia-Silbermedaillengewinners von 2018 führt offenbar zu den Kölner Haien, die wie die beiden anderen Playoff-Gegner Straubing Tigers und Adler Mannheim von der Wucht der Eisbären überwältigt wurden.

Coach Aubin stellt Clubrekord ein

Dabei galt diese Meisterschaft lange als die unwahrscheinlichste. Verletzungen wichtiger Spieler warfen die Berliner immer wieder zurück - darunter Leistungsträger Blaine Byron und Ty Ronning. Bilder vom im Rollstuhl feiernden Lean Bergmann stehen sinnbildlich für diese schwierige Saison, die aus Eisbären-Sicht erst nach der Olympia-Pause Schwung aufgenommen hat. Zudem dezimierten sie sich selbst durch die Sperre von Kapitän Kai Wissmann.

Auch deswegen sei der Titel etwas Besonderes für ihn persönlich, meinte Coach Aubin. Fünfmal holte er die deutsche Meisterschaft mit den Eisbären und stellte damit den Clubrekord des legendären Trainers Don Jackson ein. Wenn Aubin mit Berlin die Playoffs erreichte, verlor die Mannschaft keine einzige der 15 Serien.

Der Kanadier verwies auf die vielen Rückschläge und Herausforderungen, die sein Team in dieser Spielzeit zu meistern hatte. «Es gab eine lange Zeit Zweifel an uns. Aber wir sind damit gut umgegangen und zur richtigen Zeit aufgestanden.»

Beide Torhüter vor dem Absprung

Als Torwart Jake Hildebrand, der angeblich schon bei den Adler Mannheim unterschrieben haben soll, sich verletzte, war dann auch noch sein Vertreter Jonas Stettmer zur Stelle - und wie: Der 24-Jährige trieb die Adler in die Verzweiflung und wurde zum besten Spieler der Finalserie gekürt. «Das hätte ich mir niemals erträumt.» Aber: Auch Stettmer geht - voraussichtlich zurück zum ERC Ingolstadt.

Während die Meisterparty also noch nachhallt, beginnt im Hintergrund bereits die Neuordnung. Sportdirektor Stéphane Richer mahnt zur Ruhe, will den Moment genießen. «Jetzt feiern wir erst einmal den Meistertitel und dann reden wir über Verträge», sagte er der «Bild».

Was bleibt, ist ein Gefühl zwischen Erfüllung und Aufbruch. Die Eisbären haben einmal mehr gezeigt, dass sie die prägende Kraft der Liga sind - allen Widrigkeiten zum Trotz.