Stuttgart / Von Alfred Wiedemann Soforthilfe der Baden-Württemberg-Stiftung: Ein Spezial-Truck soll Heime anfahren. 1,5 Millionen Euro sind für ein Kunstprojekt vorgesehen. Von Alfred Wiedemann

Testen, testen, testen: Im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie bleibt das wichtig. Jetzt bekommt Baden-Württemberg ein mobiles Testlabor. Der Ärzte-Truck soll dort vorfahren, wo Test-Bedarf bei potenziell infizierten Personen groß ist: Wenn zum Beispiel in Altenheimen, Flüchtlingszentren oder Justizvollzugsanstalten schnell Tests gemacht werden müssen, soll die mobile Corona-Testplattform helfen.

1,3 Millionen Euro stellt die Baden-Württemberg-Stiftung dafür bereit. Probeentnahme und Diagnostik sind direkt verknüpft. Das spart Zeit, Ergebnisse gibt es an einem Tag.

Die Idee zum Mobil-Labor kam  auf, weil die Stiftung immer wieder bei Jugend- und Bildungsprojekten auf Truck-Angebote setzt. Ein Corona-Sicherheitslabor im Sattelauflieger, das an jedem Standort modernste Hochdurchsatzanalytik  ermöglicht, „das ist ein richtiges und wichtiges Instrument“, sagt Christoph Dahl, Geschäftsführer der Stiftung. In einigen Wochen soll es einsatzbereit sein.

Partner ist die Mannheimer Universitätsmedizin, die das Labor betreiben wird. Der Mannheimer Professor Michael Neumaier berät die Stiftung. Das Mobil-Labor könne ein „Riesengewinn“ sein, wenn es beispielsweise darum gehe, die Isolation betroffener Senioren in Heimen möglichst kurz zu halten: „Wenn rasch alle Bewohner und das Personal getestet werden können, gibt es schnell Gewissheit. Und im Fall von negativen Testungen darf dann schnell auch wieder Besuch kommen.“

Gibt es einen Impfstoff und weniger Test-Bedarf,  gibt es trotzdem Arbeit für den Truck, etwa für Impfkampagnen oder Gesundheitsvorsorge auf dem Land.

Insgesamt hat der Aufsichtsrat der  Stiftung für ein Corona-Sofortprogramm 3,6 Millionen Euro bewilligt. 1,5 Millionen Euro sind für ein Programm mit dem Arbeitstitel „1000 Musiker für Baden-Württemberg“ vorgesehen. Bis zu 1000 ausgebildete Musikerinnen und Musiker sollen für eine virtuelle Plattform ein Musikstück zur Verfügung stellen. dafür gibt es 1500 Euro Honorar – und viel Publikum, denn das Gesamtkunstwerk wird der Öffentlichkeit präsentiert werden. Eine Fachjury lobt Preise aus. „Da sind wir noch am Entwickeln“, sagt Dahl. Mit im Boot bei diesem Vorhaben ist die Eva-Mayr-Stihl-Stiftung.

„Natürlich sind 1500 Euro Honorar nicht existenzsichernd“, sagt Dahl, „aber das Geld kann über eine gewisse Zeit hinweghelfen.“ Und durch die Veröffentlichung auf der Plattform könne sich vielleicht auch etwas entwickeln: Kontakte und Auftrittsmöglichkeiten.

400 000 Euro steckt die Baden-Württemberg-Stiftung  in die Förderung digitaler Inhalte in der beruflichen Bildung. Dabei gehe es weniger um die leistungsfähige Infrastruktur. Die sei bei den meisten beruflichen Schulen vorhanden, sagt Dahl. Es soll um passende digitale Inhalte gehen und um einfache Möglichkeiten, auf das vorhandene digitale Unterrichtsmaterial zugreifen zu können. Ein Ziel sei auch der Aufbau von dauerhaften Distance-Learning-Lehrinhalten.

Längerfristig bleibe die Digitalisierung wichtiges Thema für die Arbeit der Stiftung.  Die positiven Entwicklungen des Digitalisierungsschubs, intern und extern, würden die Stiftung weiter beschäftigen, so Dahl. Dabei sind die Erfahrungen mit Digitalprojekten durchweg gut: Mitte Mai wurde etwa die Zukunftsakademie  der Stiftung Kinderland erstmals virtuell angeboten. 150 Jugendliche machten mit. Und die Übertragung der Gewässer-Experimente von Bord des Forschungsschiffs „Aldebaran“ vom Bodensee erreichte hunderte Schülerinnen und Schüler.

„Wir lernen in und mit der Krise“, so Dahl. Auch in Sachen Demokratie-Projekte: „Wir müssen aufgrund der aktuellen Ereignisse zum Beispiel stärker in Sachen Aufklärung über Verschwörungstheorien und Fake-News tätig werden“.

Konzertreihe für Corona-Helfer

3,6 Millionen Euro investiert die Baden-Württemberg Stiftung insgesamt in Corona-Hilfsprojekte. Neben dem Testlabor und der Musiker-Unterstützung wird mit 400 000 Euro eine Konzertreihe zum Dank an Corona-Helferinnen und  -Helfer gefördert. Die Konzerte starten im Herbst.

Die Stiftung, eine gemeinnützigen GmbH, hat ihr Stiftungskapital aus den Veräußerungen der Landesanteile der EnBW an die Électricité de France. Das Vermögen in Höhe von 2,3 Milliarden Euro besteht vor allem aus Investmentfonds, Immobilien und Unternehmensbeteiligungen. Jährlich stellt sie 30 bis 40 Millionen Euro für Programme und Projekte bereit. eb