Luxusturm als Bauruine

Strafverfahren um Schwabenlandtower zieht sich hin

Luxuswohnungen und Millionenpleite – nun drohen Geldstrafen vor Gericht. Was hinter der jahrelangen Hängepartie um die Bauruine von Baden-Württembergs höchstem unvollendeten Wohngebäude steckt.

Ein schnelles Ende im Prozess um die Hintergründe der Insolvenz von Baden-Württembergs höchstem unvollendeten Wohngebäude in Fellbach bei Stuttgart ist vorerst nicht in Sicht. Für die Staatsanwaltschaft kommt eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Betracht, wie der Richter der Wirtschaftsstrafkammer mitteilte. 

Aus Sicht der Ankläger hätten sich die beiden Ex-Investoren und Geschäftsführer des Hochhausprojekts weder zur Sache noch zur Person geäußert. Außerdem gilt es, die Rolle der Angeklagten zu klären. 

Das Landgericht hatte die Einstellung des Verfahrens angeregt. Vorausgegangen waren Gespräche zwischen Gericht, Verteidigung und Staatsanwaltschaft.

Den beiden Angeklagten, Vater und Sohn, heute 79 und 46 Jahre alt, wird Insolvenzverschleppung und Marktmanipulation zur Last gelegt. Sie stehen fast zehn Jahre nach der Insolvenz des noch immer nicht fertiggestellten Schwabenlandtowers vor Gericht. 

Neue Gespräche über Abkürzung des Verfahrens

Am zweiten Verhandlungstag gab es erneut Gespräche zwischen allen Beteiligten. Diesmal regte das Gericht für beide Angeklagten jeweils eine Gesamtgeldstrafe an. Dem Vorschlag der Strafkammer zufolge soll das Verfahren gegen den Sohn im Fall der Insolvenzverschleppung eingestellt werden und er gegen ein Geständnis mit einer Gesamtgeldstrafe zwischen 130 und 150 Tagessätzen davonkommen. Für den Vater kann sich die Kammer zwischen 170 und 190 Tagessätze als Strafrahmen vorstellen. Zur Höhe der einzelnen Tagessätze gab es zunächst keinen Vorschlag.

Die Wirtschaftsstrafkammer hatte zum Prozessauftakt erklärt, dass der Zeitraum der Insolvenzverschleppung gering sei. Die Angeklagten hätten ihre Zahlungsschwierigkeiten offengelegt und es habe eine Schicksalsgemeinschaft zwischen Baufirma und Investor bestanden. Zugleich betonte der Richter, die Anklage sei nachvollziehbar. Die Ermittlungen dauerten allein fünf Jahre. Der Richter sprach von «Verzögerungen, die zu einer finanziellen Kompensation führen könnten».

Baustelle steht seit Jahren still

Die Bauruine ist eine sichtbare Landmarke. Der Schwabenlandtower weist eine unrühmliche, jahrelange Geschichte aus Pleiten und Versprechungen auf. 2014 erfolgte der Baustart des damals noch Gewa-Tower genannten Hochhauses mit 66 hochwertigen Wohnungen, Geschäftsräumen und einem Hotel. Nach der Insolvenz der jetzt angeklagten ersten Bauherrn begann die jahrelange Hängepartie. 

Der neue Eigentümer verordnete dem Bau ein neues Konzept. Er begann dann zwischenzeitlich damit, die geplanten Luxusappartements in kleinere, preiswertere Mietwohnungen umzuwandeln. Doch seit Jahren ruht die Baustelle wieder. Zuletzt gehörte der Rohbau der schwankenden Adler Group. Der Immobilienkonzern reicht ihn nun weiter. Eine Sprecherin sagte, es sei ein Vertrag über den geplanten Verkauf des Projekts Schwabenlandtower geschlossen worden.