Stuttgart / jsz Das Sozialministerium sieht nur im April eine höhere Mortalität. Lucha: Schutzmaßnahmen haben gewirkt.

In Baden-Württemberg hat es bislang durch das Corona-Virus keine deutlich erhöhte Sterblichkeit gegeben. Das geht aus einer Kabinettsvorlage des Sozialministeriums hervor, die an diesem Dienstag dem Ministerrat vorgestellt werden soll. Sie folgt den Auswertungen des Landesgesundheitsamtes (LGA) vom 1. Januar bis 26. April 2020.

„Die höchste Anzahl gemeldeter verstorbener Covid-19-Fälle in Baden-Württemberg trat im April 2020 auf“, heißt es in dem Papier, das unserer Zeitung vorliegt. Die wöchentlichen Sterbefallmeldungen hätten im April „eine moderate Erhöhung um etwa 10 bis 15 Prozent gegenüber den Vorjahren (2016–2019)“ gezeigt.

Inzwischen zeigten sich keine Hinweise mehr auf eine erhöhte Sterblichkeit, heißt es. Da  die Regionen unterschiedlich stark betroffen waren, sei es aber möglich, dass es an einigen Orten vorübergehend einen „deutlich erkennbaren“ Anstieg der Sterbezahlen gegeben habe.

Sterblichkeit oder Mortalität ist definiert als Anzahl der Todesfälle im Verhältnis zur Bevölkerung. Überschreitet der Wert die aus Erfahrungen gespeisten Erwartungen in einem bestimmten Zeitraum, sprechen Experten von „Übersterblichkeit“ oder „Exzess-Mortalität“.

In seiner Kabinettsvorlage verweist Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) auf Zahlen des europäischen Netzwerks Euromomo, das Mortalitätsdaten aus 24 europäischen Ländern zusammenführt. „Eine erhöhte Sterblichkeit ist demnach in zahlreichen, aber nicht in allen Staaten sichtbar“, schreibt Lucha im Bericht.

Jedoch sei „ein deutlicher Anstieg der Exzess-Mortalität zum Beispiel in Frankreich, Großbritannien und Italien zu beobachten“, heißt es. Deshalb dürfe die glimpfliche Corona-Entwicklung hierzulande nicht zu der Schlussfolgerung führen, dass es sich im Vergleich zur Grippe um einen harmloseren Erreger handle. Lucha:  „Die fehlende Übersterblichkeit bei Covid-19 in Deutschland ist eher als Hinweis zu werten, wie erfolgreich die Interventionsmaßnahmen in der Vermeidung von Erkrankungsfällen sind.“ Jens Schmitz