Sie sollen tausenden Schülerinnen und Schülern den Einstieg ins Schuljahr erleichtern, aber vielerorts gibt es mit den „Lernbrücken“ Probleme: Häufig kamen die vom Kultusministerium versprochenen Lernmaterialien nicht oder zu spät an, bestätigt eine Umfrage der Bildungsgewerkschaft GEW. Die Schulleitung einer Grundschule schreibt etwa, man habe das Material erst am zweiten Tag erhalten. Zuvor hatten die SÜDWEST PRESSE und andere Medien über lokale Lieferprobleme berichtet.

Mit den Lernbrücken werden in den letzten zwei Ferienwochen leistungsschwächere Schüler gefördert, um Defizite aus der Corona-Zeit abzubauen. Das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZLS), das beim Kultusministerium angesiedelt ist, stellt den Schulen dafür Material bereit. Mit über 50 000 Anfragen sei die Nachfrage danach überraschend hoch gewesen, sagt eine Sprecherin des Ministeriums. Das ZSL habe das Material darum auch „in der Woche vor den Lernbrücken online bereitgestellt“.

Viele Schulen stellt das vor Probleme: Die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz berichtet von einer Schulleiterin, die für das Programm 5000 Kopien habe machen müssen. „Für eine kleine Schule ist das eine unglaubliche Zahl.“ Schulen haben für Kopien oft feste Kontingente. Sie können für die Förderung aber auch eigenes Lernmaterial nutzen.

In der GEW-Umfrage gibt es noch mehr Kritik an den Lernbrücken: Eltern würden sie als Betreuungsmöglichkeit nutzen, heißt es etwa, der organisatorische Aufwand sei sehr hoch. Positiv sei, schreibt eine Schulleitung, dass „ausländische Kinder“ wieder verstärkt mit der deutschen Sprache in Kontakt kämen.

Förderung soll weitergehen

Doro Moritz betont, dass das Material „Lesen macht stark“ und „Mathe macht stark“ für Grundschulen im Land bisher nicht eingesetzt wurde, „weil man mit der Qualität nicht zufrieden war“. Das Material stammt aus einem Projekt in Schleswig-Holstein, dessen Leitung lange bei Thomas Riecke-Baulecke lag. Er ist heute Leiter des ZSL. Das 2019 gegründete Zentrum sei, so Moritz, „im Grunde noch nicht wirklich arbeitsfähig“. Kritik am ZSL in Sachen Lernbrücken gibt es einem Insider zufolge auch innerhalb des Kultusministeriums.

Dessen Sprecherin sagt, die Lernbrücken könnten nicht alle Defizite der Schülerinnen und Schülern ausgleichen. Die Kinder sollten darum während des Schuljahrs weiter gefördert werden – etwa mit zusätzlichen Förderstunden. Moritz Clauß