Philippsburg /   Zwei Kolosse aus Stahlbeton werden nächste Woche in Philippsburg zu 65 000 Tonnen Schutt zerlegt.

Mit der Sprengung der beiden Kühltürme des Nuklearkomplexes in Philippsburg nördlich von Karlsruhe werden zwei weithin sichtbare Symbole der Atomstromära in Baden-Württemberg beseitigt. Ursprünglich wollte die Energie Baden-Württemberg (ENBW) interessierten Zuschauern eine Sicht auf das Spektakel ermöglichen, aber wegen der Corona-Schutzverordnung wird nun sogar der genaue Zeitpunkt geheim gehalten, um keine Massenaufläufe zu provozieren.

Bekannt ist jetzt nur, dass irgendwann innerhalb eines Zeitfensters von 48 Stunden am 14. und 15. Mai die Kolosse gefällt werden sollen, „zu jeder Tages- und Nachtzeit“. Der Standort werde bereits ab 13. Mai abgeriegelt. Verzögerungen seien bei einem Sturm möglich. Anliegergemeinden, auch auf der anderen Rheinseite, können auf ihren Gemarkungen nach eigenem Ermessen Flächen absperren. Die Polizei werde auch die Einhaltung der Corona-Regeln kontrollieren, teilte die ENBW gestern mit.

Negative Auswirkungen für die Anwohner durch Staub oder Erschütterungen seien wegen des Abstands von 1,6 Kilometer bis zur nächsten Bebauung ausgeschlossen. Auch der Lärm wird sich wohl in Grenzen halten. „Die Geräusche dauern insgesamt nur wenige Sekunden und sind vergleichbar mit einem Donnergrollen bei einem vorbeiziehenden Gewitter“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens mit Sitz in Karlsruhe.

Vorgesehen sei eine „Fallrichtungssprengung“, erklärte die ENBW. Es handle sich um ein bewährtes System, das in Deutschland schon über fünfzigmal beim Abbruch von Kühltürmen praktiziert worden sei. Die Kühltürme für die beiden stillgelegten Reaktoren KKP 1 und KKP 2 sind jeweils 152 Meter hoch, der Durchmesser an der Basis ist 124 Meter. Bei der Sprengung fallen 65 000 Tonnen Material an, das nicht radioaktiv belastet ist.

KKP 1 lieferte von 1979 bis 2011 Strom, KKP 1 ging 1984 ans Netz und wurde am 31. Dezember 2019 abgeschaltet. Damit hat ENBW nur noch ein Atomkraftwerk in Neckarwestheim. hgf