Rottweil / Petra Walheim Forschung beschäftigt sich mit den Dialekten im Kreis Rottweil. Ältere und Jüngere werden interviewt.

Gefühlt sterben die Dialekte im Land aus. Viele Kinder bekommen spätestens im Kindergarten beigebracht, Hochdeutsch zu sprechen. Ob das tatsächlich so ist und wie sich die Dialekte im Kreis Rottweil im Laufe von zwei Generationen verändert haben, das untersucht  ein Forschungs- und Veröffentlichungsprojekt.

Der Kreis Rottweil arbeitet dabei mit dem Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft an der Universität Tübingen zusammen. Der Dialektforscher Dr. Rudolf Bühler ist Mitarbeiter des Instituts und leitet das Projekt. Seine Aufgabe ist es, in den 21 Städten und Gemeinden mit 70 Ortsteilen etwa 100 ältere Einheimische zu finden und zu befragen, die den örtlichen Dialekt in Reinform sprechen.

Außerdem werden 21 jüngere Menschen im Alter von 18 bis 26 Jahren interviewt. Alle bekommen die gleichen Fragen unter anderem zum Wortschatz und zu Begriffen des Alltags gestellt. Sie sollen möglichst authentisch antworten, so wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.  „Meine Aufgabe ist es, ganz genau hinzuhören und das Gesagte aufzunehmen“, sagt Bühler.

Er hofft, die Mundart-Sprechenden über die Rathäuser zu finden. Die hat er angeschrieben.  Um für alle die gleichen Bedingungen zu schaffen, gibt es einen Fragenkatalog. „Aber auch das freie Gespräch über das alltägliche Leben im Haus und Umfeld ist wichtig“, sagt Bühler.

Wichtige Fragestellungen für ihn sind, was vom Dialekt überhaupt noch übrig ist, wann Dialekt gesprochen wird, welchen Stellenwert und welches Image er hat. Gibt es Situationen, in denen sich Mundart-Sprechende für ihren Dialekt schämen? Auch darauf erhofft sich Bühler Antworten. Der Kulturwissenschaftler wird in der zweiten Julihälfte und im August im Kreisgebiet unterwegs sein und im Herbst die Daten auswerten. Daraus soll auch ein Sprach-Atlas entstehen.

Kreisarchiv-Direktor Bernhard Rüth hält den Kreis Rottweil für die Forschung für besonders interessant, weil er sich in der Übergangszone zwischen Alb und Schwarzwald, zwischen Schwäbisch und Alemannisch befindet. „Da ist auch in der Sprache mit Übergangsformen zu rechnen.“ Petra Walheim