Heilbronn / Hans Georg Frank Der Staatsanwalt sieht in dem Angeklagten eine große Gefahr für die Allgemeinheit. Deshalb soll er in eine Psychiatrieklinik.

Der Mann mit der leisen Stimme, der mit gesenktem Kopf emotionslos antwortet, sei „für die Allgemeinheit gefährlich“, ist Christoph Meyer-Manoras überzeugt. Deshalb müsse Mehmet A. (26) in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden, verlangte der Staatsanwalt bei der Eröffnung des Prozesses vor dem Landgericht Heilbronn. Er soll seine Mutter erstochen und den Bruder lebensgefährlich verletzt haben.

Zu der Tragödie am Ostersonntag war es laut Anklage gekommen, weil der junge Mann an paranoider Schizophrenie leide. Er habe in einer krankheitsbedingten Wahnvorstellung gehandelt, da er angenommen habe, seine Angehörigen wollten ihm „nach dem Leben trachten“. Zum Tatzeitpunkt habe A. möglicherweise „das Unrecht nicht einsehen können“. Es müsse wohl von einem „Zustand der Schuldunfähigkeit“ ausgegangen werden.

Bei dem Mordprozess handelt es sich um ein Sicherungsverfahren. Bei einer Verurteilung müsste der Angeklagte nicht in einer Haftanstalt büßen, eine psychiatrische Einrichtung würde sich um ihn kümmern. Derzeit befindet er sich in Weinsberg. Er sei überhaupt nicht krank, behauptete der arbeitslose A., er wolle ins Gefängnis.

Für den Angriff auf die 50 Jahre alte Mutter habe er sich ein Messer beschafft, verwies der Staatsanwalt auf die Ermittlungen. Auf die nichtsahnende Frau sei „völlig unvermittelt“ eingestochen worden, zehnmal in den Bauch, zehnmal in den Rückenbereich. Als sie den älteren Sohn um Hilfe habe rufen wollen, seien ihr tödliche Verletzungen am Hals beigebracht worden. Auch seinen ein Jahr älteren Bruder habe Mehmet A. „vom Leben zum Tod bringen“ wollen. Dieser konnte sich zwar mit einem Stock wehren und das Messer entreißen, aber er wurde so schwer verletzt, dass er nur durch eine Notoperation gerettet werden konnte, sagte Meyer-Manoras.

Die Schwurgerichtskammer hat neun Prozesstage anberaumt, an denen auch 26 Zeugen und zwei Sachverständige gehört werden sollen. Das Urteil ist nach dieser Planung am 22. Januar 2020 zu erwarten. Hans Georg Frank