Der erste bundesweite Warntag hat am Donnerstag deutliche Lücken bei der Alarmierung der Bevölkerung offenbart. Zum einen wurde deutlich, dass es vielerorts gar keine Sirenen mehr gibt, zum anderen kam die Gefahrenmeldung der Warn-­Apps „Nina“ und „Katwarn“ erst mit einer guten halben Stunde Verspätung auf den Smartphones an.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn erklärte die Panne mit der zeitgleichen Auslösung einer Vielzahl von Warnmeldungen. Präsident Christoph Unger sagte in Mannheim: „Erste Analysen haben ergeben, dass um 11 Uhr nicht nur zentral die Warnung ausgelöst worden ist, sondern viele andere angeschlossene Leitstellen ebenfalls eigenständig Warnungen ausgelöst haben, so dass es zu einer Überlastung des Systems gekommen ist. Dies muss für den nächsten Warntag noch viel deutlicher abgestimmt werden.“

Mancherorts bekam die Bevölkerung vom Probealarm gar nichts mit. In München etwa gibt es seit vielen Jahren keine Sirenen mehr. Freiburg verzichtete bewusst auf eine Sirenenprobe, da diese ohnehin immer am letzten Samstag im März und Oktober stattfinde. In Göppingen blieben die Sirenen gleichfalls still. Sie wurden außer Betrieb genommen. In vielen Kommunen wurden in der Vergangenheit die Sirenen abgebaut oder nicht mehr gewartet. Im Rems-Murr-Kreis wurde die Bevölkerung ohne akustisches Signal informiert. Hier setzt das Landratsamt auf die Warn-App Nina, als „Sirene in der Hosentasche“. Diese offenbarte aber Defizite und streikte.

Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) stellte angesichts des verspäteten Warntons fest: „Nina hat nicht funktioniert.“ Er fügte hinzu: „Deshalb üben wir – schon deswegen hat sich der Warntag gelohnt.“ Mit rund 80 Prozent Handy-Nutzung in Deutschland ist die App ein wichtiger Bestandteil des Konzeptes, das die Warnung und Information auf allen Kanälen von sozialen Medien über digitale Werbetafeln und Bildschirme an Bahnhöfen bis hin zu Fernsehen und Radio vorsieht.

Das Bundesinnenministerium bezeichnete den Probealarm als „fehlgeschlagen“. Grund sei ein technisches Problem. „Die Vorgänge werden jetzt umfassend aufgearbeitet“, kündigte das Ministerium in Berlin an.

Der sogenannte Warntag, der künftig jedes Jahr am zweiten Donnerstag im September stattfinden soll, dient als Vorbereitung auf Gefahrenlagen wie Überschwemmungen, Chemieunfälle oder Terroranschläge. Eingebunden werden sollten alle vorhandenen Warnmittel wie beispielsweise Warn-Apps, Radio und Fernsehen, digitale Werbetafeln, Sirenen und Lautsprecherwagen.

In vielen anderen Ländern sind Warntage teilweise seit langem Routine. So werden in den Niederlanden jeden ersten Montag im Monat alle 3800 Sirenen gleichzeitig getestet. In Tschechien heulen die Sirenen am ersten Mittwoch des Monats auf. 

Warnvorrrichtungen stark reduziert


Mit dem Ende des Kalten Krieges ist die Zahl der Sirenen nach den Worten des Präsidenten des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Christoph Unger, von 86 000 Sirenen auf heute noch rund 40 000 reduziert worden. In Berlin gebe es gar keine mehr. Ein Aufbau im früheren Umfang würde einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Unger: „Sirenen sind nicht billig.“