Ex-Trigema-Chef Wolfgang Grupp hat im Neuen Kunstmuseum in Tübingen aus der Schule geplaudert. Auf die Frage von Linken-Politiker Gregor Gysi, welches das schlimmste Fach für ihn gewesen sei, antwortete Grupp spontan: «Alle.» Es war der erste öffentliche Auftritt des 83-Jährigen seit seinem Suizid-Versuch Mitte des vergangenen Jahres. Im Neuen Kunstmuseum in Tübingen war er Gast der Talkreihe «Gysis Begegnungen».
In dem launigen Gespräch fragte Gysi den früheren Trigema-Chef, ob es stimme, dass dieser brauchbares Papier aus dem Mülleimer rette und kaputte Mülltüten mit Tesafilm repariere. Grupp gab schlagfertig zurück: «Ich bin sicher ein sparsamer Schwabe. Das heißt, ich bin großzügig, wo es angepasst ist und kleinlich, wo es auch passt. Aber dass ich aus dem Mülleimer eine Mülltüte raushole, das tue ich mir nicht an.»
Das 78 Jahre alte Linken-Urgestein trifft seit Sommer im Neuen Kunstmuseum prominente Zeitzeugen des öffentlichen Lebens. Geplant sind weitere Talks mit Pater Anselm Grün (8. April) und dem langjährigen CSU-Politiker Peter Gauweiler (29. Juni).
Wolfgang Grupp: «Ich habe gar nichts»
Grupp (83) hatte vor einiger Zeit die Geschäfte an seine beiden Kinder übergeben, aus Steuergründen, sagte Grupp in Tübingen. Wolfgang Grupp Junior (34) und seine Schwester Bonita (36), die Ende des vergangenen Jahres Mutter geworden ist, führen das Familienunternehmen gemeinsam. Sie leitet die Bereiche Onlinehandel, Marketing und Personal. Wolfgang Grupp Junior verantwortet Geschäftskunden, IT-Projekte, die Produktion und Finanzen.
«Es ist besser, wenn man das auf beide verteilt», sagte Grupp zur jetzigen Struktur. «Und jetzt haben mein Sohn und meine Tochter 40 Prozent und meine Frau hat 20 Prozent. Sie wird es dann an die beiden Kinder weitergeben.» Und er selbst? «Ich habe gar nichts. Ich bin ja in einem Alter, wo man nichts mehr braucht», sagte Grupp und erntete dafür viel Gelächter und Beifall aus dem Publikum.
Der frühere Trigema-Chef hatte Mitte des vergangenen Jahres einen Suizid-Versuch öffentlich gemacht. Er habe sich Gedanken darüber gemacht, ob er überhaupt noch gebraucht werde. Trigema ist ein Hersteller von Wäsche, Freizeit- und Sportbekleidung und wirbt damit, zu 100 Prozent «Made in Germany» anzubieten.

