Nach fast einem halben Jahrhundert im Bundestag will Wolfgang Schäuble 2021 erneut als Abgeordneter kandidieren. Das hat sein CDU-Kreisverband Ortenau mitgeteilt. Der 77-Jährige stehe wieder als Kandidat der CDU im Wahlkreis Offenburg zur Verfügung.

Schäuble, der dienstälteste Abgeordnete des Bundestags, vertritt den Wahlkreis Offenburg seit 1972 mit einem Direktmandat. „Ich habe mir die Entscheidung, auch im Hinblick auf mein Alter, nicht leicht gemacht“, sagte er, ,denke aber, dass ich mit meinen Erfahrungen in diesen Zeiten vielfältigen Umbruchs einen stabilisierenden Beitrag leisten kann“.

Der Kreisvorsitzende der CDU Ortenau, Volker Schebesta, nannte Schäuble für die Union bundesweit und im Wahlkreis ein Zugpferd. „Mit seinem Einfluss erreicht er viel für die Menschen in unserer Region.“

Der Badener Schäuble kennt viele Top-Ämter: Kanzleramts- und Fraktionschef, zweimal Innenminister, Finanzminister. Derzeit bekleidet er als Bundestagspräsident das zweithöchste Amt im Staat.

Der Vorsitzende der baden-württembergischen CDU-Landesgruppe im Bundestag, Andreas Jung, sagte, Schäuble sei als Präsident ein Glücksfall für den Bundestag. „Er gibt dem Parlament Gesicht und Gewicht, ist Autorität und Institution. Mit seiner breiten parteiübergreifenden Akzeptanz prägt er gesellschaftliche Debatten und kann in unruhigen Zeiten Orientierung geben.“

Schäuble diente den Regierungen Helmut Kohl und Angela Merkel (beide CDU) und handelte als Bundesinnenminister 1990 mit der DDR den Einigungsvertrag aus. Mit Kohl, seinem früheren Förderer, kam es zum Bruch, als Schäuble in den Turbulenzen der CDU-Spendenaffäre und nach seinen Aussagen im Bundestag zu einer 100 000-Mark-Barspende Anfang 2000 als CDU-Vorsitzender weichen musste.

Schäuble, der seit dem Attentat eines geistig verwirrten Mannes im Oktober 1990 im Rollstuhl sitzt, gilt als leidenschaftlicher Parlamentarier. Er ist in der Geschichte der Bundesrepublik der am längsten amtierende Bundestagsabgeordnete.  dpa