Stuttgart / dpa Auch der Prozess hat nicht geklärt, was den 31-Jährigen zu seiner Tat getrieben hat.

Der Vater kommt mit seiner elfjährigen Tochter nach Hause, doch vor dem Hauseingang greift ihn sein ehemaliger Mitbewohner mit einem 73 Zentimeter langen Samuraischwert an. Wie von Sinnen sticht er auf ihn ein. Ein Jahr später hat das Stuttgarter Landgericht den 31-jährigen Täter zu 14 Jahren Haft verurteilt und die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet.

Für das Gericht gilt es als erwiesen, dass der Jordanier die Tochter bemerkt hatte und sich auch der vielen Menschen ringsherum bewusst war, bevor er mit „absolutem Vernichtungswillen“ das Schwert erhob. Doch es kommt auch zu dem Ergebnis, dass der Täter zum Zeitpunkt des Angriffs nur eingeschränkt Herr seiner Sinne gewesen ist.

Bis heute stellt sich die Frage, was den Schwertmörder zu seiner Tat getrieben hat. Sie ist laut dem Gericht  nur teilweise beantwortet. Zwei Minuten dauerte die „Hinrichtung“ mit dem Schwert, wie der Richter die Tat beschreibt: „Das war ein Dahinmetzeln, wie man es sich nicht vorstellen kann.“ Als der Täter festgenommen wurde und vom Tod des Opfers hörte, sagte er „Gottseidank“, wie ein Polizist später schildert.

Vor Gericht hat der Angeklagte zu den Ereignissen geschwiegen. Die Kriminalpolizei gab nach der Tat einen persönlichen Grund als Auslöser an. Nach eigener Aussage bei der Vernehmung soll er vom Opfer missbraucht worden sein. Dem Gutachter offenbarte er, dass das Opfer ihm Drogen eingeflößt habe, um ihm ein Geheimnis zu entlocken. Laut der Staatsanwaltschaft hat er sich das eingebildet. Auch der Richter hält die Anschuldigungen für unrealistisch.

Weitgehend hätten Täter und Opfer ein gutes Verhältnis gehabt, sagt der Richter. Nach seiner Einreise hatte der Jordanier, der sich erst als Syrer ausgegeben hatte, in Brandenburg mit einer Frau zusammengelebt. Nach dem Ende der Beziehung zog er 2018 in die Wohnung mit seinem späteren Opfer. Dort blieb er bis zum Frühjahr 2019.

Dann kam es nach Überzeugung des Gerichts zu einer Wesensveränderung. Vor der Tat, erzählte der Angeklagte dem Gutachter, sei er erleuchtet worden und habe göttliche Träume gehabt. In der Haft sprach er immer wieder von religiösen Eingebungen. Aber auch Zeugen und Verwandten soll er vor der Tat gesagt haben, dass er der „Messias“ sei.

Die Staatsanwältin hatte 13 Jahre Haft wegen Mordes und die Unterbringung in einer Psychiatrie gefordert, die Nebenkläger lebenslange Haft und das Feststellen der besonderen Schwere der Schuld. Die Verteidigung hatte für Freispruch und Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus plädiert. dpa