Stuttgart / Kultusministerin Eisenmann baut das System der Schulverwaltung um. Ein Jahr nach dem Beschluss greift die Opposition das Vorhaben frontal an. Von Axel Habermehl

Wir sind natürlich arbeitsfähig“, ruft Susanne Eisenmann in den Sitzungssaal des Bildungsausschusses. „Vollumfänglich“, fügt die CDU-Kultusministerin noch an. Donnerstagnachmittag im Landtag von Baden-Württemberg. Die Oppositionsfraktionen von SPD und FDP haben Öffentlichkeit herstellen lassen. Ihr Ziel ist es, die größte und wichtigste Reform der Ministerin auseinanderzunehmen: den Umbau des Verwaltungs- und Unterstützungssystems hinter den Schulen.

Auf den Tag genau ein Jahr ist es her, dass die Reform hier im Parlament per Gesetz auf den Weg gebracht wurde. Zwei Stockwerke höher, im Plenarsaal, stimmte seinerzeit die grün-­schwarze Regierungsmehrheit für das vollmundig als „Qualitätskonzept“ deklarierte Vorhaben. Es ist Eisenmanns Antwort auf mehrere Vergleichstests, die ergeben hatten, dass Baden-Württembergs Schüler im Bundesvergleich nur noch mittelmäßige Leistungen bringen.

Ziel des Konzepts ist besserer Unterricht durch den Aufbau klarer Strukturen für ein Bildungsmonitoring und ein neues Qualitätsmanagement. Auf Basis erhobener Daten und wissenschaftlicher Erkenntnisse soll der Staat Schule und Unterricht „evidenzbasiert“ steuern. Vor allem Fortbildungen für Lehrer, als Schwachstelle identifiziert, sollen besser werden.

Dazu wird nun seit Monaten die Schulverwaltung – Schulämter, Regierungspräsidien, Lehrerseminare – umgebaut. Einrichtungen wurden geschlossen, Zuständigkeiten übertragen und vor ­allem zwei neue Behörden gegründet: das „Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung“ (ZSL) mitsamt mehreren Regionalstellen und das „lnstitut für Bildungsanalysen (IBBW)“. Doch wie es mit Um- beziehungsweise Neubauten so ist: Zuerst muss der Bestand weg. Und dabei kommt es oft zu Problemen, die über die ohnehin unvermeidbare Lärm- und Staubentwicklung hinausgehen. So auch hier.

„Massive Umsetzungsprobleme“ diagnostiziert SPD-Schulexperte Stefan Fulst-Blei im Ausschuss, spricht von „dilettantischer“ Umsetzung. Auch Personalvertreter und die Gewerkschaft GEW machen seit Monaten mobil. „Auch ein Jahr nach Errichtung des neuen ZSL ist nicht absehbar, wann es funktionsfähig sein wird und seinen Beitrag zur Qualitätsentwicklung an Schulen leisten kann“, kritisiert GEW-Chefin Doro Moritz. Und die FDP sorgt sich besonders um die Lehrerseminare, deren Rolle erheblich verändert wird. Dort sind seit geraumer Zeit zig Leitungsstellen unbesetzt. Lücken entstanden und wurden größer, die Motivation mancher Mitarbeiter war, so berichten jedenfalls Personalvertreter, schon mal größer, was durch angekündigte Gehaltssenkungen für Seminarleitungen nicht gerade verbessert wurde.

Überhaupt ist Personal ein heikles Thema. Die Reform führt zu Verschiebungen, viele Mitarbeiter bekommen neue Jobs. Alles soll nach Eisenmanns Plänen „kosten-, stellen- und ressourcenneutral“ ablaufen. So kommen die neuen Leute aus dem Bestand – und noch sind längst nicht alle Posten besetzt, wie der neue ZSL-Leiter Thomas Riecke-Baulecke, den Eisenmann in Schleswig-Holstein abgeworben hat, im Ausschuss einräumt. Vor allem an den Regionalstellen des ZSL ist nicht einmal jeder zweite Posten besetzt.

Das neue System muss anlaufen, gleichzeitig leidet das bisherige. Als wäre der Übergang nicht holprig genug, machte auch noch eine neue Software Ärger, und schließlich gab es auch noch einen Wasserschaden im neuen ZSL-Gebäude, das seitdem nicht nutzbar ist.

Eisenmann betont gegenüber den Abgeordneten, den Weg fortsetzen zu wollen. Dass alles eine Weile dauern könne, hatte sie schon vor einem Jahr angekündigt: „Unser Ziel ist ehrgeizig“, ließ sie sich damals zitieren. Man beschreite „einen Weg, für den wir einen langen Atem brauchen“.

Zwei Häuser – ein Ziel

IBBW Das „Institut für Bildungsanalysen“ ist das kleinere der zwei neuen Häuser. Es soll Qualitätskontrolle, wissenschaftliche Analyse, Evaluation und Kompetenzmessung bieten.

ZSL Das „Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung“ soll Schulen direkt beraten und unterstützen, Referendare aus- und Lehrer fortbilden, aber auch Bildungspläne erstellen und Schulbücher zulassen. Beide Häuser sollen eng vernetzt arbeiten, unterstützt von einem wissenschaftlichen Beirat. Vorbild der Reform sind Hamburg und Schleswig-Holstein.