Stuttgart / Von Petra Walheim Reste von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln sind in mehr als 60 Prozent aller Wasserschutzgebiete nachweisbar. Die notwendige Aufbereitung zahlen die Verbraucher. Von Petra Walheim

Für die Menschen im Land ist es selbstverständlich, dass aus dem Wasserhahn frisches, sauberes Trinkwasser fließt. Damit das so bleibt, müssen die Wasserversorger allerdings immer mehr in die Aufbereitung investieren.  Das gilt besonders für den Zweckverband Landeswasserversorgung, der vor allem den württembergischen Teil des Landes versorgt. Grund für die intensivere Aufbereitung ist, dass im Grundwasser immer wieder Rückstände von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen werden. Die Landeswasserversorgung fordert deshalb vom Land, auch in Wasserschutzgebieten Spritzmittel zu verbieten.

„Und das nicht erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, sagt Frieder Haakh, Geschäftsführer des Zweckverbandes. Nach der aktuellen Gesetzeslage darf der Einsatz von Spritzmitteln in Wasserschutzgebieten erst dann reduziert oder ganz verboten werden, wenn Grenzwerte überschritten sind. „Dann ist es schon zu spät“, sagt Haakh.

Immer wieder Probleme

Er fordert, dass in das Eckpunktepapier, das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium gemeinsam für das Volksbegehren für mehr Arten- und Bienenschutz ausarbeiten, auch der Schutz der Wasserschutzgebiete aufgenommen wird, zusätzlich zu Landschafts- und Naturschutzgebieten, Natura-2000-Flächen, Biotopen sowie die Kern- und Pflegezonen der Biosphärengebiete. Unterstützt wird der Zweckverband darin vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (Bund), vom Naturschutzbund (Nabu) und dem Verband für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg (VfEW).

Bereits seit Ende der 1970-er Jahre gibt es im Land immer wieder Probleme mit dem Grundwasser, aus dem die Wasserversorger das  Trinkwasser für die Menschen unter anderem gewinnen. Seit Jahren weist die Landeswasserversorgung auf die Belastungen hin. Seit 30 Jahren werden Messwerte erhoben. „Bisher können wir aber keine nachhaltige Verbesserung erkennen, ganz im Gegenteil“, sagt Johann-Martin Rogg, Vorsitzender des Beirats Grundwasserdatenbank Wasserversorgung.

In der Monitoring-Runde 2014 bis 2018 wurden 1521 Wasserschutzgebiete untersucht. In 62 Prozent der Gebiete wurden chemisch-synthetische Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen.  In über fünf Prozent der Gebiete wurden Grenzwerte oder Gesundheitliche Orientierungswerte überschritten. Trotzdem müssen die Wasserversorger einwandfreies Trinkwasser liefern. Das gelingt nur mit intensiverer Aufbereitung – und die kostet. Haakh geht davon aus, dass der Wasserpreis in den nächsten Jahren steigen wird. Noch lägen die Kosten für die Aufbereitung bei 5 Cent pro Kubikmeter. Doch das könne sich ändern, wenn sich an anderer Stelle nichts ändert.

Für Haakh und auch Torsten Höck, Geschäftsführer des VfEW, wird in der Landwirtschaft zu viel gespritzt. „Aber es sind nicht nur die Landwirte“, betont Haakh. Auch die Pharmabranche und die chemische Industrie seien verantwortlich. Sollte der Einsatz der Chemikalien nicht reduziert werden, sollten sich die Hersteller an den Kosten für die Aufbereitung des Wassers beteiligen, fordert Höck. Das dürfe nicht allein auf die Landwirte abgewälzt werden.

Ein Lösungsvorschlag zur Reduktion der Chemie in der Landwirtschaft ist auch, den integrierten Pflanzenschutz zu intensivieren. Das heißt, die Landwirte sollten erst alle Alternativen für den Pflanzenschutz ausschöpfen, bevor sie zur Chemie greifen. Außerdem soll der ökologische Anbau gefördert werden.

Das seien bereits „zentrale Bestandteile der Eckpunkte“, sagen Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) und Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU). Sie wollen in den kommenden Wochen die Eckpunkte für das Volksbegehren weiter ausformulieren.

Landeswasserversorgung klagt gegen das Land

Der Zweckverband Landeswasserversorgung verlangt seit Jahren vom Land Auskunft darüber, welche Pflanzenschutzmittel in welcher Menge wo ausgebracht werden. Das Land weigert sich. Dies werde mit dem Datenschutz und mit dem Argument „ist zu viel Arbeit“ begründet,  sagt Frieder Haakh, Geschäftsführer des Zweckverbands.

2018 hat der Zweckverband bei den Verwaltungsgerichten Stuttgart und Sigmaringen Klage eingereicht.  Haakh rechnet mit dem ersten Verhandlungstermin im Frühjahr. wal