Stuttgart / dpa Ein Mann soll seine frühere Partnerin 2019 verschleppt haben.Vor Gericht erzählt sie von der Entführung.

Die ersten Momente der Entführung müssen chaotisch gewesen sein und schmerzhaft. Es wurde geschrien, erinnerte sich das Opfer in seiner Aussage vor dem Landgericht Stuttgart, es wurde gedroht, kochendes Wasser verschüttet und ein Messer gezückt. „Das war die Hölle“, sagte die Frau am Montag unter Tränen. Die 48-Jährige widersprach dabei im Wesentlichen den Aussagen ihres Ex-Partners und seines ebenfalls verdächtigten Mitarbeiters auf der Anklagebank.

Anfang Juni 2019 soll die Frau von den beiden Männern aus ihrem Wohnort im Rems-Murr-Kreis nach Frankreich verschleppt worden sein. Die französische Polizei hatte sie nach acht Tagen im Elsass aus der Gewalt ihrer Entführer befreit.

„Ist Ordnung“, heißt es in einer der ersten Kurznachrichten an die ältere Frau, die bis zur Tat vom Opfer gepflegt worden war und sie nach der Mittagspause als vermisst gemeldet hatte. Zu diesem Zeitpunkt waren die Geiselnehmer mit der 48-Jährigen schon auf dem Weg ins Elsass. Dort fuhr sich der Fluchtwagen, ein Camper, auf einem Waldweg fest. Sie mussten zu Fuß weiter und übernachteten im Freien, während die deutsche und die französische Polizei nach ihnen suchte.

„Er war wie der Teufel“, sagte die Frau über ihren früheren Lebensgefährten, der den Saal vor der Aussage verlassen musste und von einem Nebenraum aus zugeschaltet war. Hätte sie ihm widersprochen, hätte er sie getötet, meinte sie vor Gericht.

Die zwei angeklagten Männer aus Polen haben die Tat bisher als Missverständnis und Irrfahrt dargestellt. Der Ex-Partner der Frau sagte aus, sie sei zwar zunächst gegen ihren Willen festgehalten worden. Die Frau sei aber freiwillig bei den beiden Angeklagten geblieben und habe trotz ihrer Verletzungen mit ihnen im Wald übernachtet. Ins 120 Kilometer entfernte Elsass habe sich die kleine Gruppe nur durch ein Versehen und trotz eines Navigationsgeräts verirrt.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft könnte bei dem Ex-Mann des Opfers  Eifersucht mit im Spiel gewesen sein, auch Rache wegen ­einer Affäre seiner ehemaligen Partnerin.  dpa