Ludwigsburg / Hans Georg Frank Der bisherige Leiter der Zentralen Stelle, Jens Rommel, arbeitet nun beim Bundesgerichtshof.

Die Arbeit geht den „Nazi-Jägern“ nicht aus. Nach der Versetzung von Jens Rommel, des bisherigen Leiters der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen, soll diese besondere Position nicht vakant bleiben. „Die Stelle des Behördenleiters wird ganz sicher nachbesetzt“, sagte  Robin Schray, Sprecher des Justizministeriums, auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE. 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges gibt es offenbar überhaupt keinen Grund, mit der aufwändigen Arbeit der Ermittler in Ludwigsburg aufzuhören. „Ein konkretes Ende ist derzeit nicht absehbar“, erklärte Schray.

Justizminister Guido Wolf (CDU) hat demnach einen Juristen aus Baden-Württemberg für die Leitungsfunktion ausgesucht. Dieser Personalvorschlag sei den Ressorts in den anderen 16 Bundesländer unterbreitet worden. „In aller Regel“, so Schray, erfolge die Ernennung einvernehmlich: „Es sind keine großen Schwierigkeiten zu erwarten.“ Ein Name wird nicht genannt.

Jens Rommel (47) war seit 1958 der sechste Chef der einzigartigen Einrichtung, die im Volksmund „Nazi-Jäger“ genannt wird. Der in Ellwangen geborene und in Ravensburg aufgewachsene Jurist kam im Oktober 2015 von der Staatsanwaltschaft Ravensburg nach Ludwigsburg. Bereits im März 2019 wurde er zum Richter am Bundesgerichtshof gewählt.

Mitglied des 4. Strafsenats

Am heutigen Montag tritt er seinen Dienst im 4. Strafsenat an, wo er zum Ermittlungsrichter bestellt wurde. Damit gehört Rommel zu jenem Gericht, das 2016 eine Wende der Rechtsprechung einleitete. Nach einer BGH-Entscheidung von 1969 musste jedem Angeklagten „ein konkreter Tatbeitrag zu einer Tötung“ nachgewiesen werden. Jetzt aber können auch „kleine Rädchen“ belangt werden: „Nur weil ihnen eine derart strukturierte und organisierte industrielle Tötungsmaschinerie mit willigen und gehorsamen Untergebenen zur Verfügung stand, waren die nationalsozialistischen Machthaber überhaupt in der Lage, die Ungarn-Aktion anzuordnen und in der geschehenen Form auch durchführen zu lassen“, heißt es in der Entscheidung zum Fall eines KZ-Aufsehers. Rommel kündigte damals sofort weitere Ermittlungen an. Aktuell steht in Hamburg ein 93-Jähriger vor Gericht, der als Wachmann im KZ Stutthof eingesetzt war.

Ohne Jens Rommel sind in Ludwigsburg noch 20 Mitarbeiter mit der Aufklärung der NS-Verbrechen befasst. Die Führung übernehme der bisherige Stellvertreter Thomas Will, sagte Ministeriumssprecher Schray, „ein erfahrener Mann“. Hans Georg Frank