Das Allgäu hält noch archäologische Überraschungen bereit. Im Westallgäu bei Leutkirch fanden Archäologen und Geografen der Universität Tübingen Zeugnisse dafür, dass diese Region vor mehr als 3000 Jahren, in der Bronzezeit, dichter besiedelt war als bislang angenommen, teilte die Universität mit. „Der Umfang der bronzezeitlichen Besiedlung, der jetzt deutlich wurde, verändert unser ganzes Bild von der Region zu dieser Zeit“, sagt der Forscher Benjamin Höpfer.

Schon vor mehr als 3000 Jahren legten Menschen Siedlungen an in einer Region, die rauere Lebensbedingungen hatte als angrenzende Gebiete im Norden und Westen. Ausgeglichen wurde das aus Sicht der prähistorischen Menschen offenbar durch die günstige Lage an großen Fernhandelsrouten. Die sind nachgewiesen durch Funde wie Kupfer aus den Ostalpen und Zinn aus Cornwall oder Bernstein.

Neu sei, dass im Westallgäu parallel dazu nun auch eine dauerhafte bäuerliche Besiedlung belegt ist und die Bronzezeit als ein Zeitalter technischer Innovationen erkannt wurde. Als Beispiel nennt Höpfer, dass die Metallbearbeitung die Bronzesichel ermöglichte. Damit konnten Bauern Getreide, Stroh und Heu ernten. Mensch und Tier wurden besser versorgt. Und die Bauern züchteten robustere Getreidesorten und Tiere. „All dies machte das Leben auch im Westallgäu attraktiver“, erklärten die Forscher. Zudem zeige sich: Die Menschen „akzeptierten nicht nur passiv, was die Natur ihnen bot. Das verändert unser Bild von den prähistorischen Menschen“.

Das Forschungsteam führt seit 2017 Ausgrabungen bei Leutkirch durch. Es kam dabei unter anderem einer befestigten Bergkuppe auf die Spur, fand ein Gräberfeld und Siedlungen. Bodenanalysen belegten, dass damals Wälder abgeholzt wurden, um Nahrung für eine offenbar größere Bevölkerung anzubauen. epd