Feldberg / Petra Walheim Übernachten abseits der Campingplätze wird immer beliebter. Feldberg-Ranger schlagen Alarm.

Noch zeigt sich Feldberg-Ranger Achim Laber gegenüber den jungen Leuten, die wild auf dem Feldberg zelten, geduldig. Er weist sie daraufhin, dass sie sich in einem Naturschutzgebiet befinden, wo das wilde Campen erst recht verboten ist. „Wenn sie sich woanders mit dem Grundstücksbesitzer einigen, können sie ihr Zelt auf einer Wiese oder am Waldrand aufschlagen. Das geht in einem Naturschutzgebiet nicht“, sagt Laber.

Mit wachsender Sorge beobachten er und seine Kollegen seit einigen Monaten, wie immer mehr 20- bis 40-Jährige zu Zweit oder in kleinen Gruppen an den Wochenenden mit großen Rucksäcken die Schwarzwaldberge erklimmen und sich auf den Höhen häuslich niederlassen. „Sie kommen mit Biwacks, Isomatte, Hängematte oder Zelt“, berichtet der Ranger.

Momentan würden jedes Wochenende junge Leute Schwarzwald-Gipfel belagern. Bei gutem Wetter seien 30 bis 50 Wild-Camper anzutreffen, sagt der Ranger. Die meisten hätten hochwertige Kameras dabei, mit denen sie die Aussicht und Sonnenaufgänge fotografierten. Die Bilder posten sie auf Instagram oder Facebook und locken damit noch mehr Wild-Camper an, die die Schönheit der Natur ebenfalls erleben möchten.

Laber vermutet, dass die Corona-Krise den Trend mit ausgelöst hat. Campingplätze waren geschlossen, die jungen Leute dränge es in die Natur. Dem Trend folgten durchaus Naturliebhaber, doch den wenigsten sei bewusst, was sie damit anrichten. Momentan seien viele seltene und vom Aussterben bedrohte Vögel mit Brüten und der Aufzucht der Jungen beschäftigt. Bodenbrüter würden durch den Auflauf auf den Bergen „erheblich gestört“.

„Die Wild-Camper tragen einen erheblichen Teil dazu bei, dass die Tiere aussterben“, sagt Laber. „Den Auerhühnern können wir gerade beim Aussterben zuschauen.“ Auch um den Bergpieper stehe es schlecht. Außerhalb der Alpen komme der Vogel in Deutschland nur auf dem Feldberg vor.

Auch seine Kollegen im Biosphärengebiet Südschwarzwald berichten von mehr Wild-Campern. Auf dem Herzogenhorn und dem Belchen „hat das wahnsinnig zugenommen“. Hinzu komme, dass manche an den schönsten Aussichtspunkten Müll hinterlassen und Fäkalgeruch in der Luft liege.

Am Feldberg, am Stübenwasen, am Herzogenhorn, am Belchen, aber auch in der Wutachschlucht und im Taubergießen sei es ­mittlerweile so schlimm, dass sich die Naturschützer gezwungen sehen, dem Trend Einhalt zu gebieten.

Wenn die Ranger auf Kon­trollgängen Camper antreffen, weisen sie auf das Verbot hin und auf das Bußgeld von bis zu 200 Euro. „Wir zeigen die jungen Leute sehr ungern und auch nur selten an“, sagt Laber. Aber es bleibe bald nichts anderes mehr übrig. „Wir sind sehr froh, dass wir auch die Unterstützung der Polizei haben, die an Wochenenden und Feiertagen ihre Streifen in die Naturschutzgebiete ausdehnt“, sagt der Ranger. Er verweist auf die im Schwarzwald offiziell ausgewiesenen Trekking-Camps, in denen völlig legal gezeltet werden kann. Petra Walheim