Mannheim / lsw Noch immer werden 2800 Jesidinnen vermisst, sagt die UN-Botschafterin, die sich im Südwesten heimisch fühlt.

Die Lage der Jesidinnen ist nach Ansicht der Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad noch immer katastrophal. Von den über 6000 entführten und versklavten jesidischen Frauen und Kindern würden nach sechs Jahren immer noch 2800 vermisst, sagte die einst selbst im Nordirak verschleppte 27-Jährige anlässlich des Welttages gegen Menschenhandel und Sklaverei am 30. Juli. Sie seien in Gefangenschaft ständiger sexueller Gewalt ausgesetzt – ohne Hoffnung auf Rettung. „Die Welt hat diese Menschen aus dem Blick verloren.“

Murad ist UN-Sonderbotschafterin für die Würde der Überlebenden von Menschenhandel. Sie sagte, sie sehe ihre Aufgabe darin, die internationale Gemeinschaft weiter an die Verbrechen zu erinnern und Gesetze zur Bestrafung der Täter und zum Schutz der Überlebenden einzufordern. Menschenhandel und Sklaverei seien nicht gebannt. „Diese Verbrechen sind noch überall auf der Welt verbreitet.“ In 70 Prozent der Fälle seien Frauen und Mädchen die Opfer.

Die junge Irakerin Murad war eine von über 1000 Frauen vornehmlich jesidischen Glaubens, die Baden-Württemberg 2015/16 aufgenommen hatte. Für ihr Engagement gegen sexuelle Gewalt als Kriegswaffe erhielt sie 2018 den Friedensnobelpreis mit dem kongolesischen Arzt Denis Mukwege. In Deutschland fühle sie sich zuhause, betonte sie. „Und Baden-Württemberg wird immer meine Heimat sein.“ dpa