Friedrichshafen / lsw Der Pionier Claude Dornier hat in seiner Berufslaufbahn mehrere Flugboote entworfen, darunter die Do X. Ein Informatiker will die Maschine rekonstruieren.

Peter Kielhorn hat einen Plan. Am 12. Juli 2029 soll in Friedrichshafen am Bodensee ein exakter Nachbau des berühmten Flugbootes Dornier Do X stehen – zum 100. Jahrestag des Erstfluges der Maschine. Was für eine Mammutaufgabe der Informatiker sich da gestellt hat, wird deutlich, wenn man sich die Zahlen der Do X anschaut: Das Flugboot war das größte seiner Zeit, mit einer Länge von 40 Metern, einer Spannweite von 48 Metern, 12 Triebwerken und 3 Decks. „Da haben wir eine Riesenaufgabe vor uns“, sagt Kielhorn, der seit 2014 intensiv mit Studenten der Dualen Hochschule Baden-Württemberg an der Rekonstruktion des Flugbootes arbeitet – trotz fehlender Originalpläne.

Die Zielstrebigkeit, mit der Kielhorn und seine Helfer das Projekt verfolgen, könnten sie mit dem Entwickler des Flugbootes gemeinsam haben: dem Luftschiffpionier Claude Dornier, dessen Todestag sich am 5. Dezember zum 50. Mal jährt. „Für ihn war das überhaupt keine Option, dass irgendwas nicht funktioniert“, erinnert sich sein Enkel David Dornier. Was sein Großvater sich vorgenommen habe, habe er auch durchgezogen. „Ich glaube, es war eine unheimliche Motivation für ihn, nicht mehr in Elend und Armut zu fallen.“

Denn der 1884 in Kempten im Allgäu geborene Claude Dornier hatte vor seiner Karriere im Flugzeugbau kein einfaches Leben: In seiner Autobiografie berichtet er von ersten Anstellungen in jungen Jahren, in denen er wenig verdiente. Ein Arzt attestiert ihm sogar Unterernährung. In dieser Zeit erreicht ihn ein Brief mit einem Stellenangebot der Luftschiffbau Zeppelin GmbH am Bodensee. „Ich sah Licht in der Dunkelheit meines Daseins und faltete die Hände lange Zeit“, beschreibt Dornier diesen Moment.

Der Maschinenbauer bekommt die Stelle. Rund 20 Jahre lang wird er in dem Unternehmen von Ferdinand Graf von Zeppelin bleiben, bis er sich selbstständig macht. In dieser Zeit sei der Bodensee ein innovatives Zentrum gewesen, sagt die Sammlungsleiterin des Dornier Museums in Friedrichshafen, Julia Menzer. Zeppelin habe dort eine Art Silicon Valley geschaffen. „Das war unglaublich, etwas ganz Besonderes. Und da wollte Dornier dabei sein.“

Der Luftfahrtfan entwickelt in den folgenden Jahren unter anderem Flugboote, die vollständig aus Metall gebaut wurden. „Das war damals grundlegend und etwas ganz Neues“, sagt Menzer. „Er ist einen ganz neuen Weg gegangen und war damit auf jeden Fall einer der ganz wichtigen Pioniere im Flugzeugbau.“ Noch heute sei sein Großvater genau dafür bekannt, sagt auch David Dornier. „Er steht für einzigartige, besonders schöne und gute Flugboote, die damals in recht großen Stückzahlen gebaut wurden und die den Interkontinental-Luftpostverkehr möglich gemacht haben.“

In den 20ern entwirft Dornier Modelle, die noch heute weltberühmt sind – darunter die erfolgreiche Baureihe „Wal“. 1929 folgt schließlich die Do X als Flugschiff mit drei Decks. „Die Begeisterung war damals weltweit riesengroß“, sagt Menzer. Das Flugzeug sei ein Symbol seiner Zeit gewesen, die geprägt war von einer Leidenschaft für technische Innovation und insbesondere für Flugzeuge.

1932 wird die Maschine mit einem Flug durch Deutschland präsentiert. „Und als sie in Bonn landet, stehen dort 18 000 Menschen“, sagt Menzer, die Kinder haben schulfrei. Gebaut werden drei Flugschiffe, wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage bleibt der große Erfolg jedoch aus. „Wir sind mitten in der Weltwirtschaftskrise, die Luftfahrt funktioniert eigentlich nur dank staatlicher Subventionen, der Wettbewerb um die Gelder ist groß“, erklärt Menzer.

Doch die Faszination des Luftschiffes bleibt bestehen. 1996 habe es am Bodensee schon einmal die Idee gegeben, das Flugschiff nachzubauen, sagt Kielhorn. Er ist ehemaliger „Dornianer“ – arbeitete in der von Dornier gegründeten Firma, die von Daimler-Benz übernommen wurde und heute zum Teil im Unternehmen Airbus aufgegangen ist. „Damals ist es am Geld gescheitert.“ Er trägt den Gedanken aber weiter und tritt 2013 an verschiedene Hochschulen heran, um seinen Plan umzusetzen. Ein Jahr später fällt der Startschuss, seitdem arbeiten der Informatiker und 34 angehende Ingenieure der Dualen Hochschule Baden-Württemberg an dem Projekt. Doch von den drei gebauten Exemplaren sind nur noch einzelne Teile übrig, die Originalpläne sind verschollen. „Wir betreiben luftfahrthistorische Archäologie“, sagt Kielhorn. Im Detail heißt das: Die Studenten trieben alte Zeichnungen und Fotos aus der Bauphase auf und rekonstruierten das Luftboot. Wenn diese Phase abgeschlossen ist, wollen sie die Do X anhand ihres Modells nachbauen lassen – allerdings als nicht fliegendes Ausstellungsstück. Dafür will Kielhorn einen Freundeskreis gründen, der die finanziellen Mittel eintreiben soll. dpa

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Meter betrug die Spannweite der Dornier Do X. Mit 40 Metern Länge, insgesamt 3 Decks und 12 Triebwerken war sie im Jahr 1929 das größte Flugboot ihrer Zeit.