Heilbronn / Hans Georg Frank Das Heilbronner Landgericht lässt den Angeklagten wegen Schuldunfähigkeit in einer Klinik unterbringen.

Als Fatih A. bei der detaillierten Urteilsbegründung erfuhr, wie seine Mutter vom eigenen Bruder mit 25 Stichen ermordet wurde, rastete er aus. Im Saal des Heilbronner Landgerichts schleuderte er einen Stuhl auf den Angeklagten, verfluchte ihn, ehe er von Wachtmeistern niedergerungen werden konnte. Dabei ist Mehmet (26) nach Überzeugung der Kammer schuldlos an dem Verbrechen.

Der Arbeitslose war angeklagt wegen vollendeten und versuchten Mordes. An Ostern 2019 hatte er zunächst seine arg- und wehrlose Mutter getötet. Als der älteste Sohn der 50-Jährigen zu Hilfe eilte, wurde er mit 13 Stich- und Schnittverletzungen lebensgefährlich verletzt. Nur eine Notoperation konnte ihn retten.

Beim Prozess habe sich die Annahme bestätigt, dass der Täter seit seinem 16. Lebensjahr unter paranoider Schizophrenie leide, sagte Richter Roland Kleinschroth. Es habe „beständige Wahnvorstellungen“ gegeben.

Doch in der Familie sei die schwere Krankheit „totgeschwiegen“ worden, sagte Kleinschroth. Besonders die Mutter habe zu Mehmet gehalten. „Sie hat ihn einfach geliebt und wollte nicht wahrhaben, dass etwas nicht stimmt.“ Sie habe auch keine Behandlung gewollt, als Mehmet bei der Sprechstunde in einer psychiatrischen Klinik gewesen sei.

Mehrfach habe die Polizei wegen ungewöhnlichen Verhaltens gerufen werden müssen. „Jeder Vorfall wäre geeignet gewesen, die Krankheit endgültig zu erkennen und zu behandeln“, erklärte Kleinschroth. Als der Bruder heiraten und ausziehen wollte, habe er die Gefahr für die Mutter zwar erkannt, aber die notwendige Reaktion sei unterblieben.

„Kein Makel“

Der Richter hob besonders hervor, dass eine psychische Erkrankung „kein allgemeiner Makel“ sei, niemand müsse sich dafür schämen. Gerade „diese schlimmen Taten“ zeigten, dass man offen mit einer Psychose umgehen müsse. Hätte die betroffene Familie das beherzigt,  „wäre es möglicherweise nicht zu der Tat gekommen“.

Mehmet A. habe zwar mehrfach Reue gezeigt an den sechs Verhandlungstagen. Aber viel wichtiger sei, dass er sich nun behandeln lasse, sagte Kleinschroth. In seinem jetzigen Zustand sei er „absolut gefährlich für sich selbst wie auch für die Allgemeinheit“.

Deshalb müsse er erkennen, dass die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung die einzige Möglichkeit sei, die ihm wirklich helfen könne, sagte der Vorsitzende Richter. „Irgendwann können Sie wieder gesund werden und irgendwann wieder ein Leben in Freiheit führen.“

Hans Georg Frank