Rechberghausen / Dirk Hülser Ein Weltklasse-Pilot fliegt über Rechberghausen und stürzt ab. Er und seine Partnerin sterben.

In Rechberghausen wurde am 18. Januar 2015 groß gefeiert. Bei schönem Wetter fand der große Umzug des Narrensprungs statt, in der Schurwaldgemeinde herrschte ausgelassene Stimmung. Gegen 16 Uhr dann geschah das Unfassbare: Im Tiefflug näherte sich ein Sportflugzeug, eine Piper Comanche, aus Richtung Birenbach. Nach einigen, wie Zeugen es später beschrieben, ungewöhnlichen Flugmanövern touchierte die Maschine ungebremst zuerst eine Straßenlaterne im Wohngebiet Sonnenberg, rammte anschließend das Obergeschoss eines Wohnhauses und  riss Teile des Balkons ab. Schließlich krachte  das Flugzeug in die Garage eines weiteren Hauses an der Albstraße.

Wie durch ein Wunder kamen alle Bewohner der Gebäude mit dem Schrecken davon, doch für den 63-jährigen Piloten und seine 49-jährige Lebensgefährtin kam jede Hilfe zu spät. Bei dem Piloten handelte es sich um den Weltklasse-Kunstflieger und früheren Vize-Europameister Wolfgang Dallach, er war mit seiner Partnerin auf seinem Heimatflugplatz in Heubach gestartet.

Fünf Jahre ist die Katastrophe nun her. Genauso lang wird der Absturz von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BfU) in Braunschweig untersucht – bislang ohne Ergebnis. Das sagt Germout Freitag, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Behörde. „Die Wrackteile liegen noch bei uns in der Halle.“ Doch er gibt sich zuversichtlich: „Ich vermute, dass der Dallach-Fall in Kürze abgearbeitet wird.“

Die Staatsanwaltschaft Ulm hat bereits 2015 ihr Ermittlungsergebnis präsentiert. Der Leitende Oberstaatsanwalt Christof Lehr sagte seinerzeit, die Untersuchung habe ergeben, „dass beide Insassen zum Unglückszeitpunkt noch lebten, jedoch in Folge einer Vergiftung mit Kohlenmonoxid bewusstlos waren“. Die Ermittlungen der BfU konzentrierten sich nun auf die Gasquelle. Ein Foto des Fotografen Giacinto Carlucci belegt, dass der Kunstflieger in der Luft versucht hatte, mittels einer Teleskopstange das eigentlich elektrisch betriebene Fahrwerk von Hand auszufahren. Staatsanwalt Lehr sagte damals: „Im Verdacht steht ein defekter Auspuff.“ Dessen kohlenmonoxidhaltige Abgase könnten durch die offene Klappe in die Maschine gezogen sein. Dallach hatte sich zuvor aus dem Flugzeug per Handy beim Tower in Heubach gemeldet und berichtet, dass die Elektrik der Maschine ausgefallen sei. Dirk Hülser

Wolfgang Dallach: Pilot, Konstrukteur, Unternehmer

Modellflieger Wolfgang Dallach wurde am 2. Februar 1951 in Schwäbisch Gmünd geboren. „Kaum hatte ich das erste Taschengeld erhalten, kaufte ich mir dann auch schon die Bausätze“, sagte Dallach über seine Leidenschaft für Modellflugzeuge, die im Alter von sechs Jahren begann. Vier Jahre später war er bereits erfolgreicher Modellflugzeugpilot.

Konstrukteur Damit begann Dallachs Leidenschaft, Flugzeuge zu konstruieren. Mit 21 machte er den Pilotenschein, 1975 den Kunstflugschein. Schnell wurde er Mitglied der Nationalmannschaft, flog fünf Jahre lang mit einer nach seinen Plänen gebauten Maschine, in der er Deutscher Vizemeister wurde.

Unternehmer 1980 begann Dallach dann, Flugzeuge zu bauen. Seit 1997 war seine Firma W.D. Flugzeugleichtbau am Flugplatz in Heubach angesiedelt. Von dort startete er am 18. Januar 2015 zu seinem letzten Flug.