Stuttgart / Axel Habermehl Die Landkreise fordern eine Neudefinition der Schulträgerschaft – und künftig viel mehr Geld für moderne Lernmittel.

In der analogen Welt hatten es Schulträger einfacher: Man hatte oder baute ein Schulgebäude, richtete es ein, hielt es instand, zahlte die laufenden Kosten und die anfallenden Ausgaben für Sachmittel, Lehrbücher und ähnliches. Dazu stellte man Hausmeister und Sekretariatskräfte. Um die ganze Pädagogik, den Unterricht, die Lehrer kümmerte sich dagegen das Land.

So sah, grob vereinfacht, die Aufgabenverteilung zwischen kommunalen Schulträgern (Städten, Kommunen und Landkreisen) und dem Land aus. Und so sieht sie in der Theorie immer noch aus. Doch in der Praxis hat sich viel geändert. Die Schulen werden zunehmend digitalisiert. Immer mehr, immer teurere Geräte halten Einzug: Laptops, Tablets, Beamer, Breitbandanschlüsse, Software. Vielleicht Server, ein Lernmanagment-System, eine Cloud? Die Notwendigkeit, Schulen zu digitalisieren, ist gesellschaftlich erkannt. Doch welche staatliche Ebene zahlt das?

Der Landkreistag Baden-Württemberg geht nun in die Offensive. In einem Thesenpapier, das der Kommunalverband jüngst beschlossen hat und nun an die Politik herantragen will, fordert er eine Neudefinition der Schulträgerschaft. „Die kommunale Rolle des reinen Sachaufwandsträgers ist längst überholt“, heißt es in dem Papier, das dieser Zeitung vorliegt. Schnittstellen der „Verantwortungsgemeinschaft“ zwischen Kommunen und Land seien zunehmend fließend.

Die Erwartung der 35 Landräte: „Land und Kommunen definieren gemeinsam die jeweiligen Aufgabenbereiche für Schule und damit auch für Schulträgerschaft im 21. Jahrhundert. Dieser Definition muss auch die Festlegung der finanziellen Verantwortung folgen.“ Im Klartext: Das Land soll nicht nur pädagogische Konzepte liefern und die Lehrer entsprechend bilden. Es soll künftig auch deutlich mehr bezahlen.

Derzeit laufen vielerorts Planungen für mit Bundes-Geld aus dem Projekt „Digitalpakt“ bezahlte Umbauten und Anschaffungen. Das Land hat sich immer wieder an solchen Kosten beteiligt, aktuell mit 65 Millionen Euro für Laptops und Tablets. Künftig soll es das verstärkt tun, so die Erwartung: „Bezüglich Anschaffung, Wartung und Betrieb digitaler Lehr- und Lernmittel sowie entsprechender schulischer Netze sorgt das Land für eine nachhaltige Finanzierung auch aus Landesmitteln.“ Axel Habermehl