In der abgebrannten Disco in Kehl ist die Kontrolle zum Brandschutz bereits mehrere Jahre überfällig gewesen. Die letzte sogenannte Brandverhütungsschau fand im Jahr 2017 statt, wie eine Sprecherin der Stadt Kehl mitteilte. Solche Kontrollen sind in Baden-Württemberg mit einem Zeitabstand von höchstens fünf Jahren durchzuführen. Zuvor hatte der «Schwarzwälder Bote» berichtet.
Als Grund für die nicht zeitig durchgeführte Kontrolle nannte die Sprecherin einen erheblichen Mangel an Fachkräften in diesem Bereich: «Aufgrund der Personalsituation ist es nicht möglich, alle Brandverhütungsschauen – von denen jede einzelne einen großen Arbeitsaufwand bedeutet – in den vorgegebenen Zeitrastern vorzunehmen.» Man plane jedoch, den Bereich bei der städtischen Bauordnung neu aufzustellen.
Mit diesem Problem stehe die Stadt nicht allein. Bei den Kontrollen müssten daher Prioritäten gesetzt werden, so die Sprecherin. Diese liegen demnach auf städtischen Versammlungsstätten, von denen es eine hohe Anzahl gibt, etwa Schulen und Kindertageseinrichtungen.
Mängel bei der letzten Brandschutzkontrolle
Bei der letzten Brandverhütungsschau in dem Club im Jahr 2017 sind der Sprecherin zufolge Mängel festgestellt worden. Diese seien bis 2022 vom Betreiber beseitigt worden - darüber seien gegenüber der Stadt auch die entsprechenden Nachweise erbracht worden. Zu der Art der damaligen Mängel machte die Sprecherin keine Angaben. Der Club-Betreiber war nach dem Brand für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
In Sachen Brandschutz habe die Stadt Kehl seit dem Abschluss der Mängelbeseitigung keinen Kontakt mehr mit dem Betreiber gehabt. Aktuell bestehe dieser nach dem Brand natürlich. Ein weiterer Club desselben Betreibers ist der Sprecherin zufolge zeitnah für eine Prüfung auf baulichen Brandschutz vorgesehen.
Ursache des Brands ist noch unklar
Die Ursache für den Brand am frühen Sonntagmorgen ist noch völlig unklar. Nach Angaben der Polizei muss die Ruine des Clubs für die Untersuchungen von Kriminaltechnikern noch vorbereitet werden. Der Beginn der Untersuchungen vor Ort ist demnach für nächste Woche geplant.
Zur weiteren Ermittlung der Brandursache wurde zudem ein Hinweisportal eingerichtet. Vereinzelt seien dort bereits Meldungen eingegangen. Die müssten zum Teil aber noch ausgewertet werden. Sie reihen sich der Polizei zufolge nun in die bereits durchgeführten Vernehmungen ein.
Polizei bittet weiter um Hinweise von Zeugen
Die Polizei bittet weiterhin um Zusendungen von Menschen, die Fotos oder Videos in der Brandnacht aufgenommen haben, vorzugsweise aus dem Inneren des Clubs. Die in den sozialen Medien zirkulierenden Videos seien bekannt und als Indiz auch bedeutend. Für einen hohen Beweiswert sei es jedoch wichtig, dass die Einsender im Portal auch Urheber der Aufnahmen sind und das Gefilmte selbst erlebt haben. Dadurch könne die Polizei mit Augenzeugen direkt in Kontakt kommen.
Bei dem Brand in Kehl (Ortenaukreis) hatten sich 750 Menschen aus der Halle in Sicherheit bringen können, niemand wurde schwerer verletzt. Nach Angaben der Polizei entstand nach ersten Schätzungen ein Schaden im unteren einstelligen Millionenbereich. Das Feuer hatte sich über beide Stockwerke des Betriebes unweit der französischen Grenze erstreckt und das gesamte Gebäude zerstört.

