Ruhestein / Petra Walheim Im Nationalpark Schwarzwald vertrocknen auf großen Flächen die Heidelbeersträucher.

Wanderer, die in den vergangenen Jahren im Nationalpark Schwarzwald unterwegs waren, erinnern sich bestimmt daran, wie üppig dort auf großen Flächen die Heidelbeeren wachsen. Vielen mag es in den Fingern gezuckt haben, die dunkelblauen Beeren zu pflücken. Doch das ist im Nationalpark verboten, unter anderem deshalb, weil sie dem vom Aussterben bedrohten Auerwild als Nahrung dienen.

In diesem Jahr gibt es auf etlichen Flächen nichts zu pflücken und für das Auerwild nichts zu fressen. „Wir beobachten schon seit Anfang Mai, dass Teile der Heidelbeersträucher regelrecht abgestorben sind“, sagt Marc Förschler, Leiter des Fachbereichs, der das ökologische Monitoring sowie Forschung und Artenschutz des Nationalparks beinhaltet. Dort, wo sonst die niedrigen Sträucher in sattem Grün mit ihren blauen Beeren den Boden bedecken, sind aktuell viele Sträucher in einer rötlich-braunen Färbung zu sehen.

„Die Pflanzen verfärben sich, wie sie es sonst erst sehr viel später im Jahr tun, und sie bilden gar keine Blätter aus“, sagt Förschler. Betroffen seien vor allem die stark besonnten Bereiche. Auf schattigen und feuchten Flächen sei das Phänomen kaum zu beobachten.

„Pilze oder Insektenbefall und sonstige Pflanzenkrankheiten haben wir ausgeschlossen“, betont der Experte. Deshalb werde vermutet, „dass die Pflanzen nach zwei sehr heißen und regenarmen Jahren in Folge schlicht im Trockenstress sind.“

Als zusätzliche Belastung seien die Winter nach den heißen Sommern zu mild und zu schneearm ausgefallen. Im vergangenen Winter habe die schützende Schneedecke gefehlt. Die sorge sonst im Frühjahr für die „so wichtige Durchnässung des Waldbodens“, sagt Förschler. Außerdem schütze sie die Heidelbeere vor zu starkem Frost. „Den verträgt der Strauch auch nicht.“ Der späte Frost im Mai habe die Sträucher viele Blüten gekostet.

„Wir müssen abwarten, was dieses Jahr an Feuchtigkeit bringt“, sagt der Experte. Er hofft, dass die „recht robusten Pflanzen“ die schwierige Zeit überstehen. Heidelbeersträucher können bis zu 30 Jahre alt werden. Sie sind die Hauptnahrungsquelle für das Auerhuhn. Außerdem bieten sie den Vögeln und ihren Küken Deckung.  Petra Walheim