Kuppenheim / Petra Walheim Auch der Güterverkehr auf der Straße muss sauberer werden. Im Murgtal läuft dazu ein Pilotprojekt. Von Petra Walheim

Nach knapp drei Jahren des Planens, des Einholens der Genehmigungen, etlicher Informationsveranstaltungen und des Bemühens, zum Teil massive Widerstände aufzulösen, haben im Murgtal zwischen Kuppenheim und Gernsbach-Obertsrot die Bauarbeiten begonnen. Auf der 18 Kilometer langen, teilweise schmalen und kurvigen Strecke wird in den nächsten acht Monaten auf knapp vier Kilometern eine Oberleitung für mit Strom betriebene Lastwagen aufgebaut. Das Vorhaben heißt eWayBW und ist Teil des Förderprojekts „Erneuerbar Mobil“ des Bundesumweltministeriums, an dem auch Hessen und Schleswig-Holstein beteiligt sind.

An den drei Strecken sollen die Oberleitungs-Technologie getestet und herausgefunden werden, ob es sinnvoll ist, sie deutschland- oder sogar europaweit auf den Autobahnen aufzubauen. Zweck des Projekts ist, die CO2-Emissionen zu senken, um die von der Bundesregierung beschlossenen Klimaschutzziele bis 2030 zu erreichen.

„Der Straßengüterverkehr hat an den CO2-Emissionen einen Anteil von sechs Prozent“, sagt Projektleiter Marcel Zembrot. Das scheine auf den ersten Blick nicht viel zu sein. Doch die Zeiten, in denen einer dem anderen die Verantwortung für mehr Klimaschutz zuschieben könne, seien vorbei. „Jeder muss seinen Beitrag dazu leisten.“

Die Möglichkeiten für den Schwerlastverkehr sind bislang gering. „Es gibt aktuell keine Technologie, die technisch schon so ausgereift ist, dass sie 40-Tonnern im Fernverkehr eine Alternative zum Dieselmotor bieten könnte“, sagt Zembrot. Seiner Ansicht nach könnte die Oberleitungs-Technologie diese Alternative bieten.

In den anderen Bundesländern wird die neue Technik auf Autobahnen getestet. Anders im Murgtal. Dort führt die Teststrecke auf der B 462 südlich von Rastatt durch ein enges und kurvenreiches Tal. „Wir können in das Pilotprojekt ein landesweit einmaliges Betriebskonzept einbinden“, sagt Zembrot. „Das hat das Murgtal für das Projekt so attraktiv gemacht.“

Die Erkenntnisse aus dem Feldversuch seien auch relevant für Alpenländer, zum Beispiel bei der Planung von Oberleitungs-Lkw-Korridoren durch die Alpen, teilt das Verkehrsministerium mit. Wenn die Teststrecke durch das Murgtal erfolgreich betrieben werden könne, „kann diese Technologie sehr breit eingesetzt werden“.

Im Gernsbacher Stadtteil Obertsrot gibt es drei Papierfabriken. Die Rohstoffe für das Papier lagern in Kuppenheim. Die Lastwagen zweier Speditionen fahren an 365 Tagen im Jahr diese Rohstoffe durch das Tal zu den Papierfabriken und laden für den Rückweg die fertigen Papierrollen auf.

Dreijährige Testphase

Diese lauten und stinkenden Lastwagen sollen in der dreijährigen Testphase durch 15 Hybrid-Oberleitungs-Lkw ersetzt werden, die die Strecke 128 mal pro Tag fahren. Zembrot: „Die HO-Lkw werden in das bestehende Betriebskonzept eingebaut.“

Die Lkw haben auf dem Dach des Führerhauses einen ausfahrbaren Bügel, mit dem sie aus der Oberleitung Strom für den Elektro-Motor ziehen können. Der Strom soll aus erneuerbaren Energiequellen stammen. Damit kann auch die Batterie aufgeladen werden, die mit an Bord des Lastwagens ist.

Dadurch, dass das Murgtal topographisch eine Herausforderung ist und die Lkw schwere Ladungen transportieren, werde die Oberleitungstechnik „an den Rand des Machbaren gebracht“, sagt Zembrot. „Das ist Fahren am Limit.“ Doch nur so könne herausgefunden werden, wie belastbar und leistungsfähig sie sei.

Mit dem Projekt verbunden ist eine umfangreiche Begleitforschung. Die will unter anderem die Akzeptanz des Projekts untersuchen. Dazu kann jetzt schon gesagt werden, dass es heftigen Gegenwind gibt. Ein Hauptargument der Projekt-Gegner ist nach Auskunft von Zembrot, dass der Verkehr durch das Murgtal während der achtmonatigen Bauzeit erheblich beeinträchtigt sei.

Dem hat Zembrot wenig entgegenzusetzen, betont jedoch, dass in den zwei Wochen, seit die Baustelle eingerichtet ist, sich seines Wissens keine kilometerlangen Staus gebildet haben. Er verweist darauf, dass die Anwohner während der Testphase weniger Lärm und weniger Emissionen ausgesetzt seien.

Saubere Lösung für den Schwerlastverkehr?

eWayBW ist Teil eines bundesweiten Feldversuchs, mit dem die Oberleitungstechnik und der Betrieb von Hybrid-Oberleitungs-Lkw in der Praxis erforscht werden sollen. Die Umsetzung der Infrastruktur im Murgtal kostet nach Angaben des Verkehrsministeriums 19 Millionen Euro. Das Bundesumweltministerium fördert eWayBW mit diesem Betrag. Das Projekt läuft drei Jahre.

Aktuelle Studien des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg und des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation unterstreichen die Notwendigkeit der Oberleitungstechnologie als wichtigen Beitrag zu einen effektiven Klimaschutz. wal