Ausbildungsstart

Junge Menschen starten ins Berufsleben – Azubi-Zahlen sinken

Immer weniger junge Menschen beginnen eine Ausbildung. Welche Gründe Fachleute für den Rückgang nennen und wie sich das auf die Zukunft auswirken könnte.

Für Tausende junge Menschen beginnt in diesen Tagen ein neuer Abschnitt: das erste Ausbildungsjahr. In den baden-württembergischen Betrieben treten die Nachwuchskräfte zum 1. September ihre Stellen an, lernen Abläufe kennen und übernehmen erste Verantwortung. Für viele ist es der Einstieg in die Arbeitswelt. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut sagte in Stuttgart: «Gerade in herausfordernden Zeiten, in denen Krisen weltweit Verunsicherung sorgen, zeigt sich, wie wertvoll eine Berufsausbildung ist: Sie gibt jungen Menschen Sicherheit, eröffnet Perspektiven und schafft gute Chancen für die Zukunft.»

Wie viele neue Verträge wurden bisher abgeschlossen?

Im Bereich der Industrie- und Handelskammern gibt es vorläufigen Angaben zufolge landesweit 31.413 neue Ausbildungsverträge. Das seien neun Prozent weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres, teilte der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) mit. BWIHK-Vize Claus Paal sagte: «Diese Zahlen sind ein deutliches Warnsignal. Der demografische Wandel macht keine Konjunkturpause.» Wenn heute weniger junge Menschen ausgebildet würden, fehlten der Wirtschaft in wenigen Jahren genau diese Fachkräfte. Zahlen für das Handwerk lagen zunächst nicht vor.

Die Entwicklung der Azubi-Zahlen in den letzten Jahren

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes starteten zum 1. September 2025 rund 65.900 neue Ausbildungsverhältnisse im Land, davon rund 36.900 in Industrie und Handel sowie rund 18.700 im Handwerk. Insgesamt waren es Ende 2025 rund 172.300 Auszubildende über alle Berufe und Ausbildungsjahre hinweg, Ende 2016 waren es rund 189.900 Auszubildende. 

Die Gründe für den Rückgang

Ein Hauptgrund liegt nach Angaben von Fachleuten im Rückgang der Geburtenzahlen. Gab es zwischen den Jahren 1988 und 1998 jährlich mehr als 110.000 Geburten in Baden-Württemberg, so sind es zwischen den Jahren 2002 bis 2010 jährlich jeweils weniger als 100.000 Geburten, teilweise sogar unter 90.000, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte. Ebenso gebe es weitere Gründe, wie den Trend zu höheren Bildungsabschlüssen.

Die beliebtesten Ausbildungsberufe

2025 waren nach Angaben des Wirtschaftsministeriums die häufigsten Ausbildungsberufe bei jungen Männern und Frauen Kfz-Mechatroniker, Medizinische Fachangestellte, Kaufmann für Büromanagement, Einzel- und Industriekaufmann sowie Zahnmedizinische Fachangestellte.

Ausbildungsexpertin Andrea Bosch von der IHK Region Stuttgart sagte, gerade weniger bekannte Ausbildungsberufe böten oft sehr gute Zukunftschancen - die Herausforderung bestehe darin, diese Möglichkeiten bei jungen Menschen sichtbarer zu machen.

Bilden alles Betriebe aus?

Es gibt Betriebe, die wegen der schwierigen Wirtschaftslage weniger oder gar nicht ausbilden. BWIHK-Vize Paal zeigte Verständnis, betonte aber: «Umso wichtiger ist es, dass diejenigen Betriebe, die ausbilden und es sich leisten können, gerade jetzt nicht nachlassen, sondern ihr Engagement möglichst verstärken.» Denn: Laut IHK-Fachkräftemonitor fehlen in Baden-Württemberg heute rund 143.000 Fachkräfte. Bis 2035 könnte die Lücke auf 373.000 wachsen - davon rund 235.000 beruflich qualifizierte Fachkräfte.