Bagdad/Schwäbisch Gmünd / lsw Vorfall von 2018 in Schwäbisch Gmünd aufgeklärt: Terror-Opfer räumt im irakischen TV Verwechslung ein.

Der Fall war im Sommer 2018 in den Schlagzeilen: Eine traumatisierte Jesidin berichtete, dass sie ihren früheren IS-Peiniger in ihrer neuen Heimat in Schwäbisch Gmünd getroffen habe. Jetzt hat die Frau eingeräumt, dass sie diesem Mann damals doch nicht begegnet ist. In einem Interview mit Iraks Staatsfernsehen sagte sie, es habe sich herausgestellt, dass der Mann, den sie gesehen habe, ein anderer gewesen sei. Dieser habe ihrem Peiniger geähnelt.

Aschwak T.  war 2015 als Flüchtling nach Baden-Württemberg gekommen und lebte mit ihrer Mutter und ihren Brüdern in Schwäbisch Gmünd. Sie verließ Deutschland 2018, nachdem sie meinte, dass sie ihren Peiniger auf der Straße gesehen hatte. Sie kehrte im September 2018 wieder zurück. Den Ermittlungsbehörden warf sie damals vor, ihren Fall nicht ernst genug zu nehmen.

Das Stuttgarter Innenministerium sieht sich in dem Fall bestätigt. „Wir haben immer auf das laufende Ermittlungsverfahren verwiesen und vor vorschnellen Schlüssen gewarnt“, teilte ein Sprecher mit. „Insofern überrascht uns diese Entwicklung nicht wirklich. Sie zeigt deutlich, dass voreilige Urteile und Bewertungen riskant sind.“ Schon 2018 hatte sich Minister Thomas Strobl (CDU) vor die Sicherheitsbehörden gestellt und keine Versäumnisse gesehen. Damals sollen die Ermittlungen keinen Verdacht gegen den in Gmünd gesehenen Mann ergeben haben. 

Die „Südwest Presse“ hatte im Oktober 2018 gemeldet, Behörden hegten Zweifel an der Geschichte. Es gebe den Verdacht, der Vater habe seine Tochter instrumentalisiert, damit Deutschland andere Angehörige aufnehme.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte 2014 große Regionen im Norden des Iraks überrannt. Dazu gehörten auch Gebiete der Jesiden, einer religiösen Minderheit, die von den Dschihadisten verfolgt wird. Tausende jesidische Frauen wurden von den Extremisten verschleppt, misshandelt und missbraucht. Auch Aschwak T. wurde von einem IS-Kämpfer gekauft.

Die religiöse Minderheit der Jesiden stammt aus dem Irak, aus Syrien, der Türkei und dem Iran. Die monotheistischen Jesiden sind Kurden und leben vor allem in der Gegend um Mossul und im nahe gelegenen Sindschar-Gebirge. Viele sind wegen ihrer Verfolgung ins Ausland geflohen. dpa