Wolfach / Petra Walheim Im Kinzigtal laufen die Nähmaschinen heiß. Die Initiative des Feuerwehrmanns Thomas Moser liegt im Trend.

Während des Telefonats kommt ein „Edelhelfer“ und bringt Thomas Moser 30 fertige Schutzmasken. „Die werden gleich mit den anderen gewaschen und können dann abgegeben werden“, sagt der Handwerker und Feuerwehrmann aus Wolfach im Kinzigtal (Ortenaukreis). „Edelhelfer“ nennt er all die Menschen, die sich seiner Initiative angeschlossen haben, in Heimarbeit und ehrenamtlich Schutzmasken zuzuschneiden und zu nähen. Die Produktion läuft seit knapp einer Woche. 400 Schutzmasken sind bereits fertig und abholbereit. Der Trend, Masken für den Infektionsschutz selbst zu schneidern, breitet sich rasant aus.

Zu kaufen gibt es Gesichtsmasken kaum mehr. Ärzte und Pflegepersonal in Kliniken und Praxen brauchen dringend Nachschub. Doch auch im privaten Bereich wollen die Menschen sich und andere schützen. Ob die selbst geschneiderten Schutzmasken auch für Klinikpersonal geeignet sind, ist fraglich. Doch für Privatpersonen erfüllen sie ihren Zweck durchaus. Zumal die Schutzmasken aus Wolfach desinfiziert sind.  „Die werden alle in der Feuerwehr-Waschmaschine im Desinfektions-Programm gewaschen“, betont Thomas Moser.

Auf die Idee, Schutzmasken selbst zu nähen, hat ihn ein befreundeter Arzt gebracht. Der fragte den Fensterbauer nach Staubmasken, weil in seiner Praxis die Schutzmasken zur Neige gingen. Moser hatte nur noch wenige. Hinzu kam, dass in Mosers Familie ein Hochrisikopatient lebt, der geschützt werden muss.

So wuchs der Plan, die Masken selbst zu produzieren. Wolfachs Bürgermeister Thomas Geppert unterstützt die Aktion. In einer Video-Botschaft und auf der Webseite der Stadtverwaltung wird dazu aufgerufen, Stoff für die Masken zu spenden. „Seitdem werden wir mit Stoff überhäuft“, sagt Thomas Moser.  Wichtig ist, dass der Stoff mit mindestens 60 Grad gewaschen werden kann.

Die Näh-Anleitung fand der Feuerwehrmann im Internet. Unter anderem die Stadt Essen hat eine Anleitung entworfen. Nach der schneidern und nähen in Wolfach zwischen 35 und 45 Leute die Masken. Das geschieht in Arbeitsteilung. „Wer keine Nähmaschine hat, holt sich den Stoff und die Anleitung ab und schneidet den Stoff zu“, sagt Moser. Der zugeschnittene Stoff wird zu ihm zurückgebracht, und er gibt die Zuschnitte an die Näher weiter. So sind innerhalb einer knappen Woche 400 Schutzmasken entstanden. 1400 sind zugeschnitten und müssen noch genäht werden.

Auch dabei bricht sich Kreativität Bahn: Eine Helferin dreht die Streifen, die zur Maske zusammengenäht werden, vor dem Nähen durch die Nudelmaschine, um sie in Form zu bringen.

Die fertigen Masken werden in unterschiedlichen Stückzahlen verpackt und an Taxifahrer, Mitarbeiter der Post, an Verkäuferinnen und Verkäufer in Supermärkten sowie an ältere Leute verteilt. „Das läuft alles auf Spendenbasis.“

Offenbar läuft in ganz Deutschland die Produktion von Masken der Marke Eigenbau an. Dazu rufen im Netz unter der Adresse „maskeauf.de“ auch diverse Promis auf, darunter die Musikerin Lena Meyer-Landrut und Youtuber Rezo. Sie zeigen sich mit individuell gestalteten Masken unter dem Motto „Weil die medizinischen Masken in die Medizin gehören, basteln wir sie uns selbst“. Damit beginnen sie auch, die Schutzmasken gesellschaftsfähig zu machen. Was in asiatischen Ländern schon der Fall ist.  Dort geben sich nur wenige zur Begrüßung die Hand, halten mehr Abstand als Europäer und tragen die Masken.

Die selbst geschneiderten sind weniger dazu geeignet, sich selbst zu schützen. Vielmehr schützen sie das Gegenüber, weil die Masken beim Husten und Niesen größere, möglicherweise infektiöse Tröpfen  zurückhalten. Deshalb hält auch der Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin den selbst genähten Mund- und Nasenschutz für durchaus sinnvoll.

Dr. Jörg Sandfort ist Hausarzt und Vorsitzender der Kreisärzteschaft. Im Interview spricht er über den neuen Alltag in Arztpraxen, fehlende Schutzausrüstung und darüber, wie der Austausch unter den Ärzten funktioniert.

Eine Geste der Höflichkeit

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité spricht sich deutlich dafür aus, in der Öffentlichkeit Schutzmasken zu tragen. In einem Interview mit dem NDR sagte er, das Tragen einer Maske zeige „eine Art Höflichkeit und Engagement“. Es sei eine Geste, die deutlich mache: „Man denkt daran“. Schließlich könne man infiziert sein und noch keine Symptome zeigen.

Dabei dürfe aber „auf keinen Fall die Versorgung in den Krankenhäusern“ gefährdet werden. Deshalb begrüßt Drosten, dass immer mehr Menschen sich die Masken selbst nähen.

Jeder müsse sich im Klaren sein, dass diese selbst geschneiderten Masken nicht vor einer Ansteckung schützen. Vielmehr schützt man durch das Stück Stoff vor Mund und Nase die anderen, weil beim Husten und Niesen die möglicherweise infektiösen Tröpfen zurückgehalten werden.

Ideal ist es, für die Masken Stoff zu verwenden, der mit mindestens 60 Grad gewaschen werden kann. Oder man legt eine durch das Atmen feucht gewordene Maske bei 100 Grad in den Backofen. Auch dann sind die Viren abgetötet. wal