. Am ersten Schultag nach den Sommerferien ist in Baden-Württemberg ein Streit um das Ausmaß der Maskenpflicht in Schulen hochgekocht. Hintergrund ist eine wissenschaftliche Veröffentlichung mehrerer baden-württembergischer Forscher, darunter Stefan Brockmann, Referatsleiter am Landesgesundheitsamt, und Martin Eichner, Epidemiologe an der Universität Tübingen. Beide zählen zum Kreis der wissenschaftlichen Berater von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), ­beide gelten als einflussreiche Ratgeber der Landesregierung in Fragen der Bewältigung der Corona-Pan­demie.

Das insgesamt zehnköpfige Autorenteam der Publikation hat eine Kurzstudie erstellt, die jüngst online von der wissenschaftlichen Zeitschrift „Eurosurveillance“ veröffentlicht wurde. Darin geht es um Corona-Übertragungsraten bei Schul- und Kitabesuchen in Baden-Württemberg zwischen der Wiedereröffnung der Einrichtungen im Mai und den Sommerferien.

Die Autoren legten dar, dass nur sehr wenige Übertragungen des Virus in den Einrichtungen, in denen damals ein „eingeschränkter Regelbetrieb“ stattfand, nachgewiesen wurden. Im Schlussabsatz äußerten sie aber die Empfehlungen, zur Komplett­öffnung der Schulen dort auch während des Unterrichts zu lüften sowie auch im Unterricht Gesichtsmasken zu tragen.

Laut der entsprechenden Verordnung des Landes soll indes nur zwischen den einzelnen Schulstunden gelüftet werden, die Maskenpflicht gilt ab Klasse 5 überall an den Schulen, außer im Unterricht. Dieser ist ausgenommen, jedoch behält sich die Landesregierung vor, die Maskenpflicht auf den Unterricht auszuweiten, wenn das Infektionsgeschehen stärker zunimmt.

Nach einem Bericht des SWR, der sich auf die Masken-Empfehlung Brockmanns bezog, äußerte sich Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Montag erzürnt. „Dass das Landesgesundheitsamt nun ausgerechnet am ersten Schultag über die Medien bereits lange vereinbarte Regeln in Frage stellt, ist hochgradig unseriös“, erklärte ihre Sprecherin. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte, die gemeinsam beschlossenen Regeln der Corona-Verordnung blieben in Kraft. Ungeachtet dessen dürften sich Wissenschaftler äußern.

Axel Habermehl