Pegel im Rhein sinkt

IHK: Niedrigwasser verursacht hohe Kosten für Unternehmen

Die Industrie am Oberrhein leidet unter dem extremen Niedrigwasser. Eine aktuelle Umfrage der IHK Südlicher Oberrhein zeigt einen Teil des Ausmaßes.

Der Rhein führt aktuell historisch wenig Wasser - das trifft unter anderem die Wirtschaft in Südbaden spürbar. Seit dem letzten extremen Niedrigwasser im Jahr 2018 sei zu wenig passiert, kritisierte die IHK Südlicher Oberrhein. Es müssten unverzüglich Pläne zur Vertiefung der Flachstellen angegangen werden, forderte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer, Alwin Wagner. «Wir dürfen nicht zulassen, dass wir in naher Zukunft wieder in die gleiche Situation geraten.»

Nach einer aktuellen IHK-Umfrage unter 170 Unternehmen entlang des Rheins melden 78 Prozent der Betriebe höhere Kosten wegen des Niedrigwassers. Fast jedes dritte Unternehmen schränke bereits die Produktion ein - sechs Prozent hätten Produktionsprozesse ganz gestoppt. 13 Prozent sehen demnach die Existenz ihres Standorts gefährdet. Bei gut der Hälfte der Unternehmen seien die Logistikkosten um mindestens 25 Prozent gestiegen, bei knapp einem Drittel sogar um 50 Prozent oder mehr.

Rohstoffintensive Unternehmen besonders betroffen

Besonders hart treffe es rohstoffintensive Unternehmen am südlichen Oberrhein. «Das extreme Niedrigwasser bedroht unsere logistische Versorgung», sagte der Geschäftsführer der Badischen Stahlwerke, Florian Glück. Rund 60 Prozent der Rohstoffe und 50 Prozent der Produkte würden über den Rhein transportiert – mehr als 200.000 Tonnen pro Monat. «Ein Ausweichen auf Straße oder Schiene ist kaum möglich und treibt unsere Logistikkosten massiv in die Höhe.»

Der Hafen Kehl ist ebenfalls betroffen: Schiffe könnten nur noch mit stark verminderter Ladung anlaufen, berichtete Hafendirektor Volker Molz. Der Umschlag wichtiger Güter staue sich im Hafenbecken.

Auch die Landwirtschaft kämpft mit den Folgen des trockenen Sommers. Landwirt Hans-Peter Jenisch aus Stutensee im Landkreis Karlsruhe berichtete von einer schwächeren Getreide- und Rapsernte wegen eines trockenen, kalten Frühjahrs und anhaltender Hitze seit Juni. Seinen Maisbestand könne er nicht mehr retten – die Kolben sind winzig, das Wasser fehlt.