Nach dem Fund von verendeten und völlig verwahrlosten Riesenschlangen in einer Stuttgarter Wohnung ist ein Tier eingeschläfert worden, «um es von seinem Leid zu erlösen». Unklar ist nach Angaben der Reptilienauffangstation in München, wie viele der 33 weiteren Schlangen überleben werden. «Dieser Bestand ist das Schlimmste, was wir seit Jahren gesehen haben», sagte der Leiter der Auffangstation, Markus Baur.
Behörden hatten 34 kranke und ausgehungerte Riesenschlangen in der Wohnung gefunden. 13 Tiere waren bereits tot. Das größte der toten Tiere war 1,60 Meter lang.
Laut einem Zwischenbericht der Reptilienauffangstation sind die übrigen Tiere in teilweise verheerendem Zustand, viele sind ausgemergelt. «Die Schlangen sind pergamentartig ausgetrocknet», sagte Baur «Sie haben sich auf die von uns bereitgestellten Wasserschalen regelrecht gestürzt und verlassen sie gar nicht mehr.»
Schlangen stürzten sich auf Wasserschalen
Dazu kämen bei einigen Tieren Narben, Verletzungen oder Abszesse, fast alle seien von Parasiten befallen. Die Mehrzahl der Schlangen leide an Blutarmut, die durch Milben verursacht sei. Außerdem besteht der Verdacht auf «eine zusätzliche Viruserkrankung». Sollte sich dieser bestätigen - «dann schwinden die Überlebenschancen weiter».
Die Leiterin der Veterinärbehörde des Stuttgarter Ordnungsamtes spricht vom gröbsten Verstoß seit Jahren im Umgang mit Reptilien, wegen des Verdachts auf Straftaten gegen den Tier‐ und Artenschutz wurde Anzeige erstattet.
Das sei aber glücklicherweise «die absolute Ausnahme», sagte Baur. Meist kümmerten sich die Halter gewissenhaft um ihre exotischen Haustiere.
Schätzungen zufolge werden in Deutschland mehr als eine Million Reptilien daheim gehalten. Riesenschlangen seien dabei beliebt. Für die Haltung braucht man laut Reptilienauffangstation - anders als für die gewerbsmäßige Zucht - keine Genehmigung. Allerdings sind Herkunftsnachweise für das jeweilige Tier nötig und es muss den Behörden gemeldet werden.

